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Dienstag, 31. März 2015

Departementswahlen 2015

Alle Jahre wieder stellen die Bürger den Volksvertretern einen Blankoscheck aus. Damit hat sich ihre demokratische Teilhabe weitgehend erschöpft. Politische Sachentscheidungen treffen in der repräsentativen Demokratie andere. Natürlich ist das Volk nicht mit allen Entscheidungen einverstanden - und so staut sich Unzufriedenheit auf, die sich schließlich bei den nächsten Wahlen entlädt.

Wie am vergangenen Wochenende in Frankreich, wo die sozialistische Regierung von Francois Hollande bei den Departementswahlen abgestraft worden ist. In ganz Frankreich gab es einen Ruck nach rechts. Im Elsass sieht das nicht anders aus. Hier konnten die Sozialisten nur in Wittenheim (nördlich von Mulhouse/Mülhausen) und in einigen Teilen Straßburgs gewinnen. Alle anderen Kantone gingen an die UMP oder konservative Bündnisse. Erfreulich: Der FN konnte keinen Kanton gewinnen. Weniger erfreulich: In mehreren Kantonen war der FN zweitstärkste Kraft.

Montag, 2. März 2015

Sprache lernen - Setzt die Kinder vor die Glotze!

Vor einigen Jahren hatte ich über den bilingualen Schulunterricht im Elsass geschrieben. Das Interesse an zweisprachigen Klassen ist nach wie vor groß und sogar gewachsen. Als beispielsweise meine Tochter vor zwei Jahren in die Ecole Maternelle (Kindergarten) kam, wurden erstmals in unserer Gemeinde zwei bilinguale Klassen für einen Jahrgang eröffnet.

Seit Jahren gibt es allerdings auch eine andere Tendenz. Nach der Ecole Elementaire (Grundschule) nimmt die Zahl der zweisprachigen Schüler sehr stark ab. Nur wenige besuchen weiterhin eine zweisprachige Klasse. Einige machen mit Deutsch als Fremdsprache weiter, andere hingegen hören komplett auf. Die Folge: Das Angebot an zweisprachigem Unterricht ist an den höheren Schulen (College und Lycee) erheblich geringer.

Aber warum brechen so viele Kinder die bilinguale Schulausbildung ab? Die Antwort: Sehr viele Kinder verfügen beim Eintritt in das College nur über mittelmäßige Deutsch-Kenntnisse. Die Eltern haben schlichtweg Angst, dass ihre Sprösslinge den Anforderungen nicht gewachsen sind.

Nach meinen Erfahrungen muss ich sagen: Da haben sie recht. Mein Sohn ist 9 Jahre. Er und seine Klassenkameraden haben seit der Ecole Maternelle zweisprachigen Unterricht - also seit rund fünf bis sechs Jahren. Wenn mein Sohn Freunde mit nach Hause bringt und ich mich in einfachstem Deutsch mit ihnen unterhalte, dann verstehen sie fast kein Wort. Bei Schulaufführungen verstehe ich wiederum kaum ein Wort, wenn die Darsteller in gebrochenem Deutsch mit starkem französischem Akzent sprechen. Allerdings muss man auch festhalten, dass es zwischen Jungen und Mädchen einen enormen Leistungsunterschied gibt.

Was ist das Problem? Es reicht einfach nicht, wenn die Kinder ein paar Sätze auf Deutsch im Unterricht sprechen und ansonsten alles um sie herum auf Französisch abläuft - sowohl auf dem Pausenhof als auch zu Hause. Zu oft sind ausgerechnet Deutschstunden ausgefallen - ohne entsprechende Vertretung. Die Klassen sind mit 25 bis 30 Kindern zu groß. Zu oft sind die Lehrer beschäftigt, Ordnung und Ruhe in die Klassen zu bringen und fallen dabei immer wieder ins Französische zurück.

Daher mein bescheidener Ratschlag: Setzt die Kinder vor die Glotze! Meine Kinder hören fast ausschließlich Französisch. Ich bin der einzige Muttersprachler, mit dem sie regelmäßig Deutsch sprechen. Keine Frage, sie haben ihre Schwächen und machen auf Deutsch einige Fehler, die viele Gleichaltrige in Deutschland nicht machen würden. Aber: Insgesamt sprechen sie Deutsch wie ein Muttersprachler. Das kommt ganz sicher nicht durch die Schule und auch nicht allein durch ihren Vater - wenngleich mir bewusst ist, dass ich einen nicht geringen Anteil habe.

Nein, ein Teil an dieser Ehre gebührt KiKa und Co.. Ja genau, das pöse pöse teuflische Fernsehen. Dank KiKa und Co. haben sie sich ein buntes Repertoire an Kindersprache, Redewendungen und Vokabeln angegeignet, das sie weder von der Schule noch von mir haben. Klar, natürlich sollte man seine Kinder nicht stundenlang vor dem Fernseher parken und auf ein kindergerechtes Programm achten. Aber wenn sie schon vor der Glotze sitzen, dann ist es nicht schlecht, wenn es einen Lerneffekt gibt. Meine Erfahrung der vergangenen Jahre ist daher: Fernsehen hilft beim Sprachenlernen.



Dienstag, 17. Februar 2015

Das Grundbuch - Reste deutschen Rechts im Elsass

Kürzlich habe ich im Gespräch mit einem Notar erfahren, dass es im Elsass (und im Département Moselle) genau wie in Deutschland ein Grundbuch (livre foncier) gibt. Im restlichen Frankreich kennt man dies nicht.

Der Ursprung des hiesigen Grundbuchs geht auf das Jahr 1891 zurück als das Elsass ein Teil des Deutschen Reichs war. Auch nach dem Wechsel zu Frankreich blieb das Grundbuch bestehen, wurde aber 1924 mit einem Gesetz französischem Recht angepasst.

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Trauerflor im Elsass wegen Gebietsreform

Wer momentan im Elsass unterwegs ist, dem dürfte der schwarze Trauerflor an Straßenschildern elsässischer Ortschaften auffallen. Der Hintergrund ist, dass Paris eine Gebietsreform plant. Der finanziell klamme französische Staat will Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne zu einer Region fusionieren, um Geld zu sparen. Für viele Elsässer kommt dies einem Todesstoss für ihre Region gleich - daher der Trauerflor.

Im Elsass ist der Protest groß. Neben besagtem Trauerflor sieht man viele Autos mit dem Aufkleber "Touche pas à mon Alsace" ("Rühr mein Elsass nicht an."). In Colmar wurde der Miniausgabe der Freiheitsstatue ein rot-weisser Schal umgehängt. Eine Demonstration reiht sich an die nächste. Ob es zur Gebietsreform kommt, entscheiden aber nicht die Elsässer, sondern Paris. Vielleicht wäre es anders gelaufen, wenn die Elsässer im vergangenen Jahr mit "Ja" zum Elsässischen Landrat gestimmt hätten.


Dienstag, 26. August 2014

Parc du Petit Prince bei Ungersheim

Knapp zwei Jahre nach der Schließung des Bioscope hat auf demselben Gelände am 1. Juli 2014 der Parc du Petit Prince seine Tore geöffnet. Wie der Name schon erahnen lässt widmet er sich thematisch dem Kleinen Prinzen, dem berühmten Märchen des französischen Autors und Piloten Antoine Saint-Exupéry.

Die kreisförmige Anlage mit ihren Wasserkanälen wurde beibehalten. Ebenso wurden fast alle Gebäude übernommen. Die meisten Attraktionen sind hingegen neu. Natürlich stehen sie ganz im Zeichen des Kleinen Prinzen. Höhepunkt ist sicherlich ein Ballonaufstieg, der  einen tollen Blick auf die Vogesen und die Rheinebene bietet.

Scheinbar hat man aus den Fehlern des Bioscope gelernt. Sämtliche Beschriftungen und Beschreibungen sind nun auf Deutsch, Englisch und Französisch, so dass auch Besucher aus Deutschland und Schweiz sich zurechtfinden. Außerdem gibt es an jeder Attraktion freundliches und zuvorkommendes Parkpersonal.
Mit seiner Liebe zum Detail und seinen gelungenen Atmosphäre schafft es der Park, die gewünschte Zielgruppe (Familie mit jüngeren Kindern) anzusprechen. Gute Voraussetzungen also, damit dem Parc au Petit Prince ein längeres Leben als dem Bioscope beschieden ist.


Samstag, 19. Juli 2014

Ausnahmen bei Ausländer-Maut - eine bayerische Realsatire

Kürzlich habe ich den Film Und Äktschn! des bayerischen Kabarett-Urgesteins Gerhard Polt rezensiert. Darin spielt er einen leidlich begabten Amateurfilmer, der zusammen mit einer untalentierten Ansammlung von Laien einen Film über den Privatmenschen Adolf Hitler drehen will. Der Zuschauer bekommt genau das, was man von Polt aus seinen früheren Filmen kennt. Eine Realsatire par excellence.

Eine bayerische Realsatire der anderen Art liefert momentan die CSU ab. Seit dem Bundestagswahlkampf 2013 fordert sie vehement eine PKW-Maut für Ausländer. Bekanntlich sind die Planungen zu dieser euphemistisch Infrastrukturabgabe genannten Gebühr mittlerweile auf der Zielgeraden. Da kommt plötzlich aus Bayern die Initiative, Ausnahmen zuzulassen.

Landkreise entlang der Grenzen sollten ausgenommen werden, da man Nachteile für die lokale Wirtschaft befürchte. Wahnsinn, was für eine Erkenntnis! Aber dann steht doch die Frage im Raum, für wen man den administrativen Aufwand noch betreibt. Nach Deutschland verirren sich ja nun nicht allzu viele europäische Urlauber. Und für die paar Niederländer, die ihren Wohnwagen nach Süden schleppen, dürfte sich der Aufwand wohl kaum lohnen.