Seit unserem letzten Besuch im Storchenpark Hunawihr (in dem es nicht nur Störche gibt) hat sich dort einiges getan. So ist beispielsweise ein sehr interessanter "Parcours der Sinne" hinzugekommen. Der Park macht einen sehr durchdachten Eindruck und lädt zur Erholung sowie zur Entdeckung ein. Leider sind fast alle Infotafeln ausschließlich auf Französisch.
Anbei ein paar Impressionen:
Dieser Blog richtet sich an (Wahl-) Elsässer, Elsass-Reisende und alle sonstigen Elsass-Interessierten. Mein Ziel ist es, die Besonderheit dieser Region darzustellen und von meinen persönlichen Erfahrungen zu berichten.
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Sonntag, 26. Mai 2013
Dienstag, 2. April 2013
Volksabstimmung: Elsässischer Landrat - Conseil d'Alsace
Das Elsass will sich politisch neu strukturieren. Deshalb sind alle Wahlberechtigten aufgefordert, am 7. April 2013 an einer Volksabstimmung teilzunehmen. Gegenstand der Abstimmung ist der Elsässische Landrat. Oder besser gesagt: der zukünftige Elsässische Landrat.
Bisher liegen zahlreiche politische Kompetenzen auf den zwei Départements Haut-Rhin (Hochrhein) und Bas-Rhin (Niederrhein) verteilt. Dies wird mittlerweile als zu unübersichtlich und zu kostspielig angesehen. Deshalb soll eine Reform die Strukturen neu ordnen.
Bisher liegen zahlreiche politische Kompetenzen auf den zwei Départements Haut-Rhin (Hochrhein) und Bas-Rhin (Niederrhein) verteilt. Dies wird mittlerweile als zu unübersichtlich und zu kostspielig angesehen. Deshalb soll eine Reform die Strukturen neu ordnen.
Ein "Nein" zur Abstimmung scheint vor allem bei den Parteien links und rechts der Mitte Unterstützung zu finden. Nationalisten etwa fordern ein "französisches Elsass".
Eine Mehrheit der politisch Verantwortlichen spricht sich für ein "Ja" zum Elsässischen Landrat aus. Sie erhofft sich finanzielle Einsparungen, mehr Autonomie und eine Stärkung der Region Elsass. So könne man etwa in Zukunft eigenständiger agieren und müsse nicht immer den Weg über Paris gehen. Auch wird die enge Verbundenheit zu den Nachbarregionen Baden und Basel betont, die vielen Menschen näher sind als die gallische Zentrale.
Aktualisierung vom 9.4.2013: Prognosen gingen von einer Zustimmung von 60 bis 70 Prozent aus. Tatsächlich votierten bei einer Wahlbeteiligung von rund einem Drittel 57,65 Prozent für den Elsässischen Landrat. Im südlichen Haut-Rhin (68) stimmte sogar die Mehrheit dagegen. Da jedoch beide Départements (Bas-Rhin und Haut-Rhin) mehrheitlich mit "Ja" hätten stimmen müssen, ist die geplante Reform gescheitert.
Aktualisierung vom 9.4.2013: Prognosen gingen von einer Zustimmung von 60 bis 70 Prozent aus. Tatsächlich votierten bei einer Wahlbeteiligung von rund einem Drittel 57,65 Prozent für den Elsässischen Landrat. Im südlichen Haut-Rhin (68) stimmte sogar die Mehrheit dagegen. Da jedoch beide Départements (Bas-Rhin und Haut-Rhin) mehrheitlich mit "Ja" hätten stimmen müssen, ist die geplante Reform gescheitert.
Samstag, 9. März 2013
Familienpolitik in Frankreich und Deutschland
In Deutschland steht seit Monaten immer wieder die Familienpolitik im öffentlichen Fokus. Als Auslandsdeutscher und Vater verfolge ich diese Diskussionen mit Interesse, da für uns damals bei der Entscheidung pro Frankreich die französische Familienpolitik ein wichtiger Aspekt war.
Den Unterschied zu Deutschland merkten wir schon recht früh. So war es beispielsweise überhaupt kein Problem, für unsere Tochter einen Kinderkrippenplatz zu bekommen. Im Gegenteil wunderte sich die verantwortliche Dame über unsere frühe Anmeldung (wir waren die ersten). Das kannten wir aus Deutschland ganz anders.
Ein weiterer Unterschied sind die moderaten und fair gestalteten Preise. Diese richten sich nach dem jeweiligen Einkommen der Eltern (wobei es nach oben ein Limit gibt). Vor allem Alleinerziehenden eröffnet dieses System Lebenschancen. Außer den Kinderkrippen gibt es zahlreiche Tagesmütter. Das sind meistens Mütter, die neben ihrem(n) eigenen Kind(ern) tagsüber noch ein weiteres betreuen.
Die Kinderkrippe ist ebenso wie die Ecole Maternelle (Mischung aus Kindergarten und Schule) freiwillig. Mit ca. drei Jahren kommen die Kinder in die Ecole Maternelle. Diese findet von acht bis sechzehn Uhr statt und wird durch eine zweistündige Mittagspause unterbrochen. Mittwochs ist schulfrei. Berufstätige Eltern können ihre Kinder an diesen Tagen sowie mittags und nach sechszehn Uhr betreuen lassen.
Gleiches gilt für die Ecole Primaire (Grundschule), die mit fünf bzw. sechs Jahren beginnt. In zahlreichen Schulen im Elsass ist es zudem mittlerweile möglich, seine Kinder für den bilingualen (Deutsch-Französisch) Unterricht anzumelden. Dass dieses Angebot so gut angenommen wird, dürfte vor allem berufliche/wirtschaftliche Gründe haben (Nachbarregionen Baden und Basel). Auch das Niveau der Betreuung und des Schulunterrichts stimmt, soweit ich das in den letzten Jahren beurteilen konnte.
Neben dem Betreuungs-und Schulsystem ist Frankreich dem Nachbarland noch in einem weiteren Punkt voraus. Bei der Steuer wird nicht die Ehe, sondern die Familie gefördert. Dafür gibt es weniger Kindergeld...und das auch nur ab dem zweiten Kind. Letztendlich werden Familien aber finanziell mehr entlastet als in Deutschland.
Sicher, das alles kostet Geld. Doch davon profitieren sowohl der Staat als auch die betroffenen Eltern. Das sind oftmals Angehörige der Mittelschicht, die Zeit und Geld in eine gute Ausbildung gesteckt haben und dank dieser Familienpolitik weiter ihren Beruf ausüben können. In Deutschland werden solche Menschen gerne als "Rabeneltern" bezeichnet.
Vielleicht sollte man aber auch dort mehr Möglichkeiten und Räume anbieten, um eine Familie zu gründen. Dann müssten sich Menschen nicht mehr zwischen Familie und Beruf entscheiden, sondern könnten wie in Frankreich beides kombinieren. Und vielleicht würden sich dann in Deutschland wieder mehr Menschen für Kinder entscheiden.
Zum Abschluss noch ein Zahlenvergleich.
Kinder im Jahr 2010 pro Frau in:
Den Unterschied zu Deutschland merkten wir schon recht früh. So war es beispielsweise überhaupt kein Problem, für unsere Tochter einen Kinderkrippenplatz zu bekommen. Im Gegenteil wunderte sich die verantwortliche Dame über unsere frühe Anmeldung (wir waren die ersten). Das kannten wir aus Deutschland ganz anders.
Ein weiterer Unterschied sind die moderaten und fair gestalteten Preise. Diese richten sich nach dem jeweiligen Einkommen der Eltern (wobei es nach oben ein Limit gibt). Vor allem Alleinerziehenden eröffnet dieses System Lebenschancen. Außer den Kinderkrippen gibt es zahlreiche Tagesmütter. Das sind meistens Mütter, die neben ihrem(n) eigenen Kind(ern) tagsüber noch ein weiteres betreuen.
Die Kinderkrippe ist ebenso wie die Ecole Maternelle (Mischung aus Kindergarten und Schule) freiwillig. Mit ca. drei Jahren kommen die Kinder in die Ecole Maternelle. Diese findet von acht bis sechzehn Uhr statt und wird durch eine zweistündige Mittagspause unterbrochen. Mittwochs ist schulfrei. Berufstätige Eltern können ihre Kinder an diesen Tagen sowie mittags und nach sechszehn Uhr betreuen lassen.
Gleiches gilt für die Ecole Primaire (Grundschule), die mit fünf bzw. sechs Jahren beginnt. In zahlreichen Schulen im Elsass ist es zudem mittlerweile möglich, seine Kinder für den bilingualen (Deutsch-Französisch) Unterricht anzumelden. Dass dieses Angebot so gut angenommen wird, dürfte vor allem berufliche/wirtschaftliche Gründe haben (Nachbarregionen Baden und Basel). Auch das Niveau der Betreuung und des Schulunterrichts stimmt, soweit ich das in den letzten Jahren beurteilen konnte.
Neben dem Betreuungs-und Schulsystem ist Frankreich dem Nachbarland noch in einem weiteren Punkt voraus. Bei der Steuer wird nicht die Ehe, sondern die Familie gefördert. Dafür gibt es weniger Kindergeld...und das auch nur ab dem zweiten Kind. Letztendlich werden Familien aber finanziell mehr entlastet als in Deutschland.
Sicher, das alles kostet Geld. Doch davon profitieren sowohl der Staat als auch die betroffenen Eltern. Das sind oftmals Angehörige der Mittelschicht, die Zeit und Geld in eine gute Ausbildung gesteckt haben und dank dieser Familienpolitik weiter ihren Beruf ausüben können. In Deutschland werden solche Menschen gerne als "Rabeneltern" bezeichnet.
Vielleicht sollte man aber auch dort mehr Möglichkeiten und Räume anbieten, um eine Familie zu gründen. Dann müssten sich Menschen nicht mehr zwischen Familie und Beruf entscheiden, sondern könnten wie in Frankreich beides kombinieren. Und vielleicht würden sich dann in Deutschland wieder mehr Menschen für Kinder entscheiden.
Zum Abschluss noch ein Zahlenvergleich.
Kinder im Jahr 2010 pro Frau in:
- Frankreich: 2,03
- Deutschland: 1,39
Dienstag, 29. Januar 2013
Chateau de Pflixbourg
Rund acht Kilometer westlich von Colmar liegt auf 454 Metern Höhe die Pflixburg (frz. Chateau de Pflixbourg). Sie wurde zwischen 1212 und 1219 im Auftrag des späteren deutschen Kaisers Friedrich II. als staufischer Stützpunkt am Oberrhein errichtet. Am Ende des 13. Jahrhunderts residierte hier der kaiserliche Vogt Konrad Werner von Hattstatt. Dessen Frau Stephanie, Gräfin von Ferrette, verstarb auf der Pflixburg.
Um die Burg ranken sich zwei Legenden. Die eine besagt, dass Stephanie höchst selbst noch heute in einem weißen Gewand und mit Tränen in den Augen durch die Ruinen wandelt, weil ihre beiden jungen Söhne bei einem Unfall ums Leben kamen. Die andere Legende berichtet von einer schönen Prinzessin, die von einer Hexe in ein Monster - halb Drache, halb Mensch - verwandelt wurde und nur durch den Kuss ein Ritters Erlösung finden könnte. Während unserer Visite bekamen wir jedoch weder Drachenwesen noch leichtbekleidete Damen zu sehen. Letzteres war vermutlich den frostigen Temperaturen geschuldet.
Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts wurde die Pflixburg schließlich an die Rappoltsteiner verkauft. In der Folgezeit kam es zwischen ihnen und den Hattstattern zu einem Konflikt. Ob die Burg bei der Auseinandersetzung zwischen diesen beiden elsässischen Adelsgeschlechtern zerstört wurde, ist heute umstritten. Eventuell wurde die Pflixburg schlicht und einfach aufgegeben und der Natur überlassen.
Für unsere Visite parkten wir unseren Wagen in der Nähe von Wintzenheim. Danach folgte der Aufstieg durch den Wald. Für die Hin- und Rücktour auf schneebedeckten Wegen benötigten wir rund eineinhalb Stunden. Die Pflixburg besitzt eine fast vollständig erhaltene Ringmauer und verfügt über eine Ausdehnung von ca. 70x40 Metern. Auf der Anlage thront der 23 Meter hohe Bergfried, der allerdings nicht mehr begehbar ist. Von den Unterkünften und Wirtschaftsgebäuden gibt es nur noch sehr geringe Reste. Dafür ist die Zisterne noch erhalten. Wenngleich wir wie bereits erwähnt weder Drachenwesen noch Prinzessinnen auf der Burg entdeckten, scheint sie jedoch nicht ganz verlassen zu sein. Die zahlreichen Fußspuren und Fäkalien deuteten daraufhin hin, dass die Burg zumindest gelegentlich von Vierbeinern bewohnt wird.
Um die Burg ranken sich zwei Legenden. Die eine besagt, dass Stephanie höchst selbst noch heute in einem weißen Gewand und mit Tränen in den Augen durch die Ruinen wandelt, weil ihre beiden jungen Söhne bei einem Unfall ums Leben kamen. Die andere Legende berichtet von einer schönen Prinzessin, die von einer Hexe in ein Monster - halb Drache, halb Mensch - verwandelt wurde und nur durch den Kuss ein Ritters Erlösung finden könnte. Während unserer Visite bekamen wir jedoch weder Drachenwesen noch leichtbekleidete Damen zu sehen. Letzteres war vermutlich den frostigen Temperaturen geschuldet.
Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts wurde die Pflixburg schließlich an die Rappoltsteiner verkauft. In der Folgezeit kam es zwischen ihnen und den Hattstattern zu einem Konflikt. Ob die Burg bei der Auseinandersetzung zwischen diesen beiden elsässischen Adelsgeschlechtern zerstört wurde, ist heute umstritten. Eventuell wurde die Pflixburg schlicht und einfach aufgegeben und der Natur überlassen.
Für unsere Visite parkten wir unseren Wagen in der Nähe von Wintzenheim. Danach folgte der Aufstieg durch den Wald. Für die Hin- und Rücktour auf schneebedeckten Wegen benötigten wir rund eineinhalb Stunden. Die Pflixburg besitzt eine fast vollständig erhaltene Ringmauer und verfügt über eine Ausdehnung von ca. 70x40 Metern. Auf der Anlage thront der 23 Meter hohe Bergfried, der allerdings nicht mehr begehbar ist. Von den Unterkünften und Wirtschaftsgebäuden gibt es nur noch sehr geringe Reste. Dafür ist die Zisterne noch erhalten. Wenngleich wir wie bereits erwähnt weder Drachenwesen noch Prinzessinnen auf der Burg entdeckten, scheint sie jedoch nicht ganz verlassen zu sein. Die zahlreichen Fußspuren und Fäkalien deuteten daraufhin hin, dass die Burg zumindest gelegentlich von Vierbeinern bewohnt wird.
Donnerstag, 3. Januar 2013
Die Verwaltung, die Verrückte macht
In einem anderen Post (Die
Jagd nach dem Passierschein A 38 oder Verwaltung auf Französisch) hatte ich
schon einmal von den unergründlichen Wegen der französischen Verwaltung
berichtet. Wie Asterix & Obelix in ihrem Abenteuer Asterix erobert Rom darf ich momentan hautnah den Wahnsinn der
hiesigen Bürokratie erleben.
Mein A 38 ist in diesem Fall das Kindergeld. Aufgrund einer Änderung im Beschäftigungsverhältnis benötigte die Familienkasse CAF ein Formular ein anderer Behörde. Nichts leichter als das! Nach einigen Wochen kam dann jedoch von der entsprechenden Behörde die Mitteilung, dass sie nicht zuständig sei. Nun gut, die freundliche Dame von der CAF hatte uns augenscheinlich falsche Informationen gegeben. Also noch einmal! Wieder passierte wochenlang nichts. Nach diversen Telefonaten und E-Mails kam endlich das ersehnte Formular, das gleich weiter an die CAF ging. Darauf folgte wochenlang nichts. Telefonate und E-Mails wurden mit dem üblichen Geschwafel und Hinhalten beantwortet.
Dieses Erlebnis mit dem Kindergeld ist extrem, aber keine Besonderheit. Wer mit dem Gedanken spielt, nach Frankreich überzusiedeln, benötigt beim täglichen Kampf mit der Verwaltung starke Nerven und Geduld. Das bezieht sich nicht nur auf die öffentliche Verwaltung, sondern auch auf Banken, Versicherungen, Kinderkrippen, Auto-Werkstätten, Handwerker etc. Mein subjektives Gefühl ist, dass es hier bezüglich Kompetenz und Arbeitsmoral zumindest teilweise etwas anders zugeht. Inwieweit das wirklich zutrifft, möchte ich indes nicht beurteilen.
Wer den Film Asterix erobert Rom kennt, der kann versichert sein: Exakt so funktioniert die französische Verwaltung! Als Zuschauer ist das sicherlich amüsant. Aufgrund des unfreiwilligen Anschauungsunterrichts als Protagonist kann ich hingegen mittlerweile nachempfinden, welche Qualen die beiden Comichelden durchlitten haben müssen.
Mein A 38 ist in diesem Fall das Kindergeld. Aufgrund einer Änderung im Beschäftigungsverhältnis benötigte die Familienkasse CAF ein Formular ein anderer Behörde. Nichts leichter als das! Nach einigen Wochen kam dann jedoch von der entsprechenden Behörde die Mitteilung, dass sie nicht zuständig sei. Nun gut, die freundliche Dame von der CAF hatte uns augenscheinlich falsche Informationen gegeben. Also noch einmal! Wieder passierte wochenlang nichts. Nach diversen Telefonaten und E-Mails kam endlich das ersehnte Formular, das gleich weiter an die CAF ging. Darauf folgte wochenlang nichts. Telefonate und E-Mails wurden mit dem üblichen Geschwafel und Hinhalten beantwortet.
Plötzlich dann jedoch ein Lebenszeichen! Die Angaben der vorherigen Behörde
waren nicht vollständig. Also noch einmal dort nachfragen. Erklärungen für
diesen Lapsus? Fehlanzeige! Immerhin hatten wir schon nach wenigen Tagen das
entsprechende Dokument und konnten es an die CAF weiterleiten. Wieder zogen die
Wochen ins Land. Es wurde gestreikt, gearbeitet, wieder gestreikt. Erneut verging
die Zeit wie im Fluge. Mittlerweile haben wir seit sieben Monaten kein
Kindergeld erhalten. Angeblich soll der Antrag in den nächsten sechs Wochen
bearbeitet werden. Wer’s glaubt...
Besonders spannend ist im Übrigen ein persönlicher Besuch im
Haus, das Verrückte macht. Dort
erklärt man einer Dame, warum man vor Ort ist und erhält von ihr eine
Wartenummer. Dann wartet man vierzig Minuten, wird aufgerufen und glaubt,
endlich von der süßen Frucht der Erkenntnis kosten zu dürfen. Dumm nur, wenn schließlich
die Dame am Schalter mit den Achseln zuckt und sagt, dass sie der falsche Ansprechpartner
sei und man eine falsche Wartenummer erhalten habe. In diesem Fall habe ich die
Dame auf das Schild im Wartesaal hingewiesen und sie gefragt, wie man angesichts
solcher Umstände höflich bleiben soll. Auf dem provisorischen Schild ist zu
lesen, dass man höflich bleiben soll und gegenteiliges Verhalten sofort zur
Anzeige gebracht werde. Ein verständnisvolles Nicken und ein „Tut mir leid“
helfen in solchen Momenten auch nicht über die Enttäuschung hinweg, fast an der
Quelle der Erkenntnis gewesen zu sein.
Die weitere Stunde Wartezeit versüßt man
sich damit, über die französische Verwaltung zu fluchen und andere Leidensgenossen
klagen zu hören: „CAF hat mein Formular verloren, x-mal nachgefragt etc.“ Ist man schließlich selbst an der Reihe, zeigt
die Hinhaltetaktik der CAF tatsächlich Wirkung. Man fühlt sich ausgelaugt und will
nur noch an einen schöneren Ort als diesen. Doch wenn man im Tempel der Weisheit schon so weit vorgedrungen
ist, möchte man natürlich am Ende nicht mit leeren Händen dastehen. Tatsächlich
scheint dann die Sachbearbeiterin sehr weise zu sein. Für sie ist der Fall völlig
klar. Beim intensiven Nachfragen stellt sich jedoch heraus, dass doch nicht
alles so klar ist. Falsche Informationen und ein Schreiben, das wir niemals
erhalten haben, sind nur zwei Beispiele.
Dieses Erlebnis mit dem Kindergeld ist extrem, aber keine Besonderheit. Wer mit dem Gedanken spielt, nach Frankreich überzusiedeln, benötigt beim täglichen Kampf mit der Verwaltung starke Nerven und Geduld. Das bezieht sich nicht nur auf die öffentliche Verwaltung, sondern auch auf Banken, Versicherungen, Kinderkrippen, Auto-Werkstätten, Handwerker etc. Mein subjektives Gefühl ist, dass es hier bezüglich Kompetenz und Arbeitsmoral zumindest teilweise etwas anders zugeht. Inwieweit das wirklich zutrifft, möchte ich indes nicht beurteilen.
Ein wesentliches Problem scheint jedoch zu sein, dass man hier
keine persönlichen Sachbearbeiter kennt. Wenn man in Deutschland ein Schreiben der
Behörde XY erhält, stehen dort der Name und die Kontaktdaten (Telefon, E-Mail)
des Sachbearbeiters. Hier gibt es das nicht. Daher spricht man jedes Mal mit
einer anderen Person. Jedes Mal muss man den gesamten Vorgang aufs Neue
erklären. Und jeder dieser Sachbearbeiter trägt durch sein individuelles Wissen
und seine individuelle (In-)/Kompetenz seinen Teil zum Vorgang bei. Heraus kommt
ein Durcheinander, wie man es aus dem Film Asterix
erobert Rom kennt.
Denn kommuniziert wird untereinander in dem Haus, das Verrückte macht natürlich nicht.
Möchte man mit einer bestimmten Person sprechen, so ist sie angeblich nicht
erreichbar. Kontaktdaten werden nicht herausgegeben. Nur ein Rückruf, der fast
nie erfolgt, wird versprochen. So dreht sich die Spirale des Wahnsinns immer
weiter. Ganz nebenbei: Die geschilderten Erlebnisse haben bei weitem keinen Anspruch
auf Vollständigkeit. Zudem sprechen wir
hier nicht von einer Bananenrepublik, sondern von der zweitgrößten
Volkswirtschaft Europas!
Wer den Film Asterix erobert Rom kennt, der kann versichert sein: Exakt so funktioniert die französische Verwaltung! Als Zuschauer ist das sicherlich amüsant. Aufgrund des unfreiwilligen Anschauungsunterrichts als Protagonist kann ich hingegen mittlerweile nachempfinden, welche Qualen die beiden Comichelden durchlitten haben müssen.
Montag, 10. Dezember 2012
Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt in Ribeauvillé
Ein Alleinstellungsmerkmal stellte hingegen der Mittelalter-Weihnachtsmarkt dar, der sich auf einem Nebenplatz am Ende der Hauptstraße befand. Nicht nur die Kinder hatten hier ihren Spaß bei "mittelalterlichen" Spielen, Tänzen und Mahlzeiten. Der Weihnachtsmarkt in Ribeauvillé ist noch Samstag, 15.12.2012, von 10 bis 19 Uhr und am Sonntag, 16.12.2012, von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
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