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Freitag, 13. September 2013

Jacques Stosskopf - ein elsässischer Widerstandskämpfer

In meinem Sommerurlaub in der Bretagne habe ich die ehemalige deutsche U-Boot-Bunkeranlage in Lorient besucht. Nach dem Krieg wurde sie nach Jacques Stosskopf benannt. Stosskopf war elsässischer Abstammung und Ingenieur im Marine-Arsenal von Lorient.


Während der deutschen Besatzung  ab 1940 blieb er im Amt und arbeitete mit den Deutschen beim Bau der U-Boot-Bunker zusammen. Gleichzeitig gab der fließend Deutsch sprechende Stosskopf Informationen über ein- und auslaufende U-Boote sowie die Bunkeranlage an den französischen Widerstand weiter. Stets stand er zwischen den Fronten und wurde ob seiner elsässischen Herkunft von beiden Seiten misstrauisch beäugt.

Nachdem ein französischer Widerstandskämpfer ihn unter Folter verraten hatte, wurde Jacques Stosskopf am 21. Februar 1944 von der Gestapo festgenommen und verschwand spurlos.

Kein Pausenbrot für französische Schüler

Frankreich startet momentan im Bildungsbereich eine Offensive, die ganz offensichtlich auf bestimmte Schichten der Gesellschaft zielt. Anscheinend wünscht sich der Staat dort mehr Einfluss.

So hängt beispielsweise in allen staatlichen Schulen seit dem Beginn des neuen Schuljahres eine Charta der Laizität aus. Darauf ist unter anderem zu lesen, dass die Schule ein religionsneutraler Ort ist, Gewalt und Diskriminierung tabu sind und das Tragen von auffälligen religiösen Symbolen verboten ist.

Auch möchte der Staat die Kinder mehr in der Schule und weniger im Elternhaus haben. So ist eine Rückkehr zur 5-Tage-Woche  für Grundschüler geplant. Momentan haben sie eine 4-Tage-Woche, allerdings von 8 bis 16 Uhr Schule (mit zwei Stunden Mittagspause) und danach noch Hausaufgaben zu erledigen.

Skurril ist eine weitere Maßnahme. Der Bildungsminister Vincent Peillon hat den Kindern in den Grundschulen (Ecole primaire) und Kindergärten (Ecole maternelle) ihr Pausenbrot verboten. Die Begründung: Viele Eltern geben den Kindern angeblich überwiegend Chips, Croissants etc. mit zur Schule. Und der Nachwuchs wird immer dicker. Die Lösung: Alles verbieten. Selbst der Verzehr von Obst ist untersagt.

Das bedeutet, dass die Kinder in der Regel zwischen 7:45 und 12.00 Uhr nichts essen.

Immerhin sind die Schüler kreativ. Auf dem Pausenhof der Schule meines Sohnes steht ein Apfelbaum, an dem die Kinder sich einfach bedient haben.

Update vom 17.09.: Das ging schnell. Von offizieller Seite ist man bereits eingeknickt. Wohl auch, weil Eltern ziemlich deutlich ihren Unmut zum Ausdruck gebracht haben. Nun dürfen die Kinder doch Obst und "Selbstgemachtes" mit zur Schule nehmen.


Mittwoch, 4. September 2013

Burg Hugstein - Chateau de Hugstein

In 389 Metern Höhe thront auf einem Felsvorsprung am Hang des Liebenberges  die Burg Hugstein über der Kleinstadt Guebwiller (dt. Gebweiler). Ihren Namen erhielt sie nach Hugo von Rothenburg. Der Abt des Klosters Murbach ließ die Burg im 13. Jahrhundert errichten, um Guebwiller sowie den Eingang zum Tal des Murbachs zu kontrollieren.

Im 16. Jahrhundert wurde Burg Hugstein stark beschädigt. Weitere Zerstörungen folgten im Dreißigjährigen Krieg. Im 18. Jahrhundert gab das Kloster Murbach die Burg schließlich auf. Im 19. Jahrhundert begannen erste Restaurierungen. Hierbei fand man unter anderem Wandmalereien, die allerdings heute nicht mehr zu lokalisieren sind.

Wer sich zu einer Besichtigung der Ruine entschließt, der kann seinen Wagen in der Hauptstraße der kleinen Gemeinde Buhl (dt. Bühl) in der Nähe des Supermarktes parken. Von dort aus ist die Burg bereits sichtbar. Auf dem kurzen Spaziergang durch den Ort und den grünen Berghang hinauf, trifft man auf ein Kreuz, das im Jahr 1867 von Eheleuten aus Buhl  errichtet worden ist. Das Interessante daran: Die Inschrift ist auf Deutsch.

Warum ist das so besonders? Das Elsass gehört zu Frankreich. Um mich herum höre und lese ich Französisch. Kultur und Mentalität sind größtenteils französisch. Ich finde es daher immer wieder faszinierend, wenn ich auf Relikte vergangener Zeiten treffe. Es ist fast so, als würde ich die Überreste einer untergegangenen Zivilisation entdecken. Nur, dass es sich hierbei nicht um Hieroglyphen, sondern deutschsprachige Inschriften handelt.







Montag, 24. Juni 2013

Weltkulturerbe Festung Neuf-Brisach / Neu-Breisach

In seiner Regierungszeit betrieb Sonnenkönig Ludwig XIV. eine expansive Außenpolitik, die unter anderem zur Annexion des Elsass führte. Teilweise reichten seine Eroberungsgelüste sogar noch weiter - auf die andere Seite des Rheins. Im Westfälischen Frieden von 1648 fiel Breisach am Rhein (westlich von Freiburg i. Br.) an Frankreich. Dort ließ er die Festung ausbauen und setzte eine seiner Reunionskammern ein. Diese nutzte der Sonnenkönig, um seine Eroberungspolitik zu Lasten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation juristisch abzusegnen. Doch nach dem Frieden von Rijswijk im Jahr 1697 musste Frankreich die Festung wieder an das Reich übergeben.

Als Folge dessen erteilte Ludwig XIV. seinem berühmten Festungsbaumeister Vauban die Order, auf der elsässischen Seite eine neue Festungsstadt zu errichten. Dementsprechend wurden Planung und Bau (1699-1703) von Neuf-Brisach (elsässich: Nei-Brisach, deutsch: Neu -Breisach) komplett den militärischen Erfordernissen unterworfen. Die Stadt ist als Achteck angelegt, mit einem bastionierten Turm an jeder Spitze. Weiterhin besteht die Anlage aus zwei Wällen: dem Kampf- und dem Sicherheitswall. Die Straßen sind rechtwinklig
angeordnet, jeder Häuserblock besteht aus 50 mal 50 Metern. Im Zentrum von Neuf-Brisach befindet sich der Appell- und Exerzierplatz, der heute als Marktplatz dient. Von hier aus führen vier Hauptstraßen zu den jeweiligen Stadttoren.



Trotz seiner beeindruckenden Architektur spielte Vaubans Festungsstadt militärisch niemals eine große Rolle. 1743 widerstand sie der Belagerung österreichischer Truppen. Im Deutsch-Französischen Krieg fiel sie 1870 schließlich in die Hände der deutschen Angreifer, wobei große Teile der Stadt durch Artillerie-Feuer stark zerstört wurden. Menschen kamen dank der schützenden Kasematten hingegen kaum zu Schaden.




Die Innenstadt von Neuf-Brisach ist weder schön noch von irgendwelchem Interesse. Wer seinen Wagen am Marktplatz parkt, macht sich von da aus am besten direkt zum Belfort-Tor auf. Dort lohnt sich ein kurzer Besuch des kleinen Vauban-Museums. Anschließend tritt man durch das Belfort-Tor nach draußen, besichtigt die imposanten Befestigungsanlagen (mit Info-Tafeln) und genießt einen Spaziergang um die Stadt, die zusammen mit anderen Festungsanlagen Vaubans seit 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.



Seinen einst kriegerischen Charakter hat Neuf-Brisach heute verloren. Statt Soldaten patrouillieren Schafe auf den grünen Festungsanlagen. Die Stadt ist eine reine Wohngemeinde. Viele Bewohner arbeiten in Colmar und im benachbarten Breisgau. Zudem verbindet Neuf-Brisach und Breisach am Rhein heute eine intensive Partnerschaft. So gibt es etwa in Breisach eine deutsch-französische Schülerbegegnungsstätte.

Dienstag, 11. Juni 2013

Montagne des Singes / Affenberg Kintzheim

Der Montagne des Singes ("Affenberg") unweit von Sélestat gehört zu den beliebtesten Touristenattraktionen des Elsass. Auf einem Rundweg durch einen Wald bei Kintzheim können Besucher über 200 Berberaffen fast wie in der freien Wildbahn beobachten. Zäune gibt es hier nicht. Im Gegenteil ist der Montagne des Singes ein Ort der Begegnung zwischen Affen und Menschen.

Letztere erhalten am Eingang gratis Popcorn. Das ist nicht für die Besucher gedacht (es ist ohnehin nicht gesalzen/gesüßt), sondern für die Parkbewohner. Da die Berberaffen über ein ziemlich imposantes Gebiss verfügen, gibt es einige Hinweise zu beachten. Am Parkeingang werden Besucher freundlich, aber bestimmt auf das notwendige Verhalten hingewiesen.

Das Parkpersonal spricht Französisch, Deutsch und Englisch. Überall sind hilfsbereite Parkmitarbeiter anzutreffen, die zum einen auf die Sicherheit achten und zum anderen Fragen gerne beantworten. Zirka alle 45 Minuten findet eine Fütterung mit einem Vortrag - auch auf Deutsch - über die Berberaffen statt. Dabei erfahren Besucher unter anderem, dass der Montagne des Singes Wissenschaftlern zur Verhaltensforschung dient. 

Während des Rundgangs, bei dem man übrigens einen Blick auf die Hohkönigsburg (Haut-Koenigsbourg) erhaschen kann, ergeben sich viele spannende Situationen, wenn übermütige Affenkinder über Wege stürmen und müde Affenpapas auf Parkbänken dösen. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings. Der Besuch dauert durchschnittlich nur knapp eine Stunde. Immerhin gibt es Ermäßigungen - zumindest im Juni - für den Besuch der Haut-Koenigsburg und der Volerie des Aigles (beides in der Nähe).


Sonntag, 26. Mai 2013

Bilder aus dem Storchenpark Hunawihr

Seit unserem letzten Besuch im Storchenpark Hunawihr (in dem es nicht nur Störche gibt) hat sich dort einiges getan. So ist beispielsweise ein sehr interessanter "Parcours der Sinne" hinzugekommen. Der Park macht einen sehr durchdachten Eindruck und lädt zur Erholung sowie zur Entdeckung ein. Leider sind fast alle Infotafeln ausschließlich auf Französisch.

Anbei ein paar Impressionen: