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Montag, 21. November 2011

La Bande Dessinée - Comics in Frankreich

Wohl jeder kennt die Gallier Asterix & Obelix oder Westernheld Lucky Luke. Aber wie sieht es mit der berühmten Comic-Thriller-Serie XIII aus? In Deutschland sind einem größeren Publikum lediglich diejenigen Comicserien bekannt, die auch bei Kindern einen großen Anklang finden. Auf der anderen Seite des Rheins werden Comics daher vor allem als Produkte für Kinder wahrgenommen.

Ganz anders verhält es sich in Frankreich und Belgien. Hier haben Comics den Status eines Kulturguts für alle Altersgruppen. Wer einmal in ein französisches Buchgeschäft geht, der wird erstaunt sein, wie viel Platz dort den Comics gewidmet ist. Allerdings sollte man nicht nach dem Begriff Comic suchen. In diesem Fall würde man nicht fündig werden. In Frankreich werden Comics als Bande Dessinée (als Abkürzung auch BD oder bédé) bezeichnet. Den Begriff Comic verwendet man in Frankreich ausschließlich für Bandes Dessinées aus den USA.

Die Bandes Dessinèes zeichnen sich häufig durch ein hohes Maß an Vielfalt und Qualität aus. Neben den klassischen Serien überwiegen vor allem Thriller, historische Geschichten und (politische) Satiren. Der gestalterische Aufwand für die Bandes Dessinées ist häufig so groß, dass sie in Frankreich zu Recht als eine eigene Kunstform angesehen werden.

Eine Kunstform, die in Frankreich Millionen Anhänger findet. Am vergangenen Wochenende fand in Illzach (bei Mulhouse) zum wiederholten Male ein BD-Festival statt. Neben Tauschbörsen und dem Verkauf von Comics kamen die Besucher vor allem, um persönlich einige Worte mit den eingeladenen Zeichnern zu wechseln und von ihnen eine Widmung für ihre mitgebrachten bzw. vor Ort gekauften Bandes Dessinées zu bekommen. Wie jedes Jahr war das Festival gut besucht. Und das zwar auch von Kindern. Den weitaus größten Anteil machten aber die Erwachsenen aus. Comics - oder besser: Bandes Dessinées - sind in Frankreich eben ein Kulturgut für alle Altersklassen.

Sonntag, 13. November 2011

Hamburger Fischmarkt (fast) ohne Fische

Eigentlich möchte ich ausschließlich über das Elsass berichten. Einen „Hamburger Fischmarkt“ auf der anderen Seite des Rheins im Grenzort Neuenburg am Rhein schien mir als Nordlicht dennoch einen Bericht wert zu sein. Und um wieder die Kurve zum Elsass zu bekommen: Der Fischmarkt wurde vorab im monatlich erscheinenden Veranstaltungskalender unserer Region beworben.

Der Besuch des Fischmarkts begann zunächst einmal ernüchternd. Neben Allesschneidern wurden Staubsauger und Käsereiben feilgeboten. Für musikalische Begleitung sorgte ein Shanty-Chor vom Bodensee! Hamburger Fischmarkt? Ich war schon drauf und dran, wieder nach Hause zu fahren, als ich doch noch eine Bude mit Fischbrötchen ausmachen konnte. Mein „Moin“ wurde zwar nicht erwidert. Immerhin schmeckte das Brötchen mit Räucherlachs aber nach Hamburg. Die Marktschreier hingegen sprachen nicht einmal norddeutschen Dialekt. Das mag auch daran gelegen haben, dass sie laut den Adressen auf ihren Wagen aus „maritimen“ Städten wie etwa Osnabrück kamen. Insgesamt versprühte der „Hamburger“ Fischmarkt so viel Authentizität wie ein Oktoberfest in den USA.
Da ich noch im Sommer in Schleswig-Holstein und mit einer Menge frischer Erinnerungen ausgestattet gewesen bin, war ich nicht sonderlich enttäuscht. Ich hatte nur gehofft, einer befreundeten französischen Familie, die bei dem Besuch dabei war, etwas Norddeutsches zeigen zu können. Sei’s drum, das Original genießt man eben am besten an seinem Ursprungsort. Der nächste Heimaturlaub kommt bestimmt...

Montag, 7. November 2011

Soldatenfriedhof bei Sigolsheim

Als sich im Januar 1945 der Zusammenbruch an der Ostfront abzeichnete, befahl Hitler die Einstellung des  Unternehmens Nordwind im Elsass und in Lothringen. Damit kam die letzte große militärische Offensive der Wehrmacht im Westen zum Stehen. Unmittelbar darauf schloss sich eine gemeinsame Operation von französischen und US-amerikanischen Kräften an. Vom  20. Januar bis zum 9. Februar 1945 kämpften die 1. Französische Armee und das U.S. XXI Corps auf der einen sowie die deutsche 19. Armee auf der anderen Seite erbittert um den Brückenkopf Elsass (französisch: Poche de Colmar). Bei Temperaturen um -20 °C, starken Winden und tiefem Schnee kamen zehntausende Soldaten ums Leben. Der Kampf endete schließlich mit dem endgültigen Rückzug der deutschen Truppen aus dem Elsass, als sich die letzten verbliebenen Kräfte über den Rhein absetzten.


Auf einem Soldatenfriedhof (Nécropole nationale de Sigolsheim) in der Nähe von Sigolsheim (rund zwölf Kilometer nordwestlich von Colmar) wird alliierten Gefallenen dieser Kämpfe gedacht. 1.589 französische Soldaten haben hier auf dem sogenannten Blutberg ihre letzte Ruhestätte gefunden. Unter ihnen befinden sich 792 muslimische Nordafrikaner, die ebenso wie fünfzehn hier ruhende französische Juden Angehörige der 1. Französischen Armee waren.


In wenigen hundert Metern Entfernung vom Friedhof erinnert ein Denkmal an die Hilfe der US-amerikanischen Soldaten bei der Befreiung von der Nazi-Herrschaft. Wenngleich der Besuch von Kriegs-Gedenkstätten angesichts der tristen Begleitumstände bei manchem eventuell ein mulmiges Gefühl hervorrufen mag, so lohnt sich eine Visite schon allein wegen der herrlichen Aussicht. Bei gutem Wetter bietet sich dem Betrachter ein großartiger Ausblick auf die Rheinebene und Colmar.

Montag, 17. Oktober 2011

La Petite Camargue Alsacienne

Beim Begriff Camargue denken viele vermutlich zunächst einmal an das bekannte Gebiet in Südfrankreich. Doch nicht nur die Rhone hat eine markante Landschaft erschaffen. Auch der Rhein kann damit dienen. Im südlichen Elsass befinden sich bei St. Louis (deutsch: Sankt Ludwig) und Basel (CH) die Auenwälder der Petite Camargue Alsacienne.

1852 wurde hier die Kaiserliche Fischzucht zur Aufzucht von Atlantiklachsen gegründet. Durch Eingriffe in die Natur seitens des Menschen kam die Fischzucht zum Erliegen. Nach Jahren der Verschmutzung und Zerstörung  der Auenlandschaft setzte schließlich ein Umdenken ein. 1982 erhielt die Petite Camargue Alsacienne als erstes Gebiet im Elsass den Status eines Naturschutzgebietes. In den vergangenen Jahren tat man einiges, um die Auenlandschaft wiederherzustellen. Auch Lachse werden hier heute wieder gezüchtet.


Wer die Schönheit und Ruhe der Petite Camargue Alsacienne genießen möchte, der parkt am besten seinen Wagen in St. Louis auf dem dafür vorgesehenen, ausgeschilderten Parkplatz. Von hier aus gibt es mehrere Wanderwege von unterschiedlicher Länge, die teilweise auch über den Rhein nach Deutschland führen. Mehrere Beobachtungsposten und Sitzbänke laden immer wieder zum Verweilen und Erforschen ein. Zahlreiche zweisprachige Schilder geben Auskunft über die abwechslungsreiche Fauna und Flora der Petite Camargue Alsacienne. Dabei fallen vor allem die schottischen Hochlandrinder ins Auge, die sich beim Grasen bestaunen lassen. Wer noch mehr über das Gebiet erfahren möchte, der besucht die beiden Ausstellungen in der Nähe der Teichverwaltung. Hier lernt der Besucher Wissenswertes über die (Natur-)Geschichte der Petite Camargue Alsacienne und des Rheins sowie die örtliche Lachszucht.

Montag, 10. Oktober 2011

Spielzeugmuseum "La Nef des Jouets"

Über viele Jahre sind sie treue Lebensbegleiter. Sie sind Zeugen ausgelassenen Gelächters sowie dicker Tränen. Sie spenden Freude und Trost. Sie werden liebkost und wütend in die Ecke geschmissen. Und irgendwann landen sie in einer Kiste und geraten in Vergessenheit. Die Rede ist von Spielzeugen. Einige Vertreter dieser Zunft haben im Museum La Nef des Jouets einen Ort für den wohlverdienten Ruhestand gefunden.

Blick in die Vitrine
Das La Nef des Jouets befindet sich in Soultz-Haut-Rhin (zwischen Colmar und Mulhouse). Hier residieren die Spielzeuge nicht in irgendeinem gewöhnlichen Gebäude, sondern in einer ehemaligen Kommende des Malteser-Ordens. Das Gebäude aus dem Hochmittelalter hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. So hinterließen Bauernkrieg, Dreißigjähriger Krieg und die Französische Revolution hier ihre Spuren. Im Laufe der Zeit verfiel die Kommende zusehends - bis schließlich Joelle und Jean-Richard Haeusser mit der Idee an den Gemeinderat herantraten, das Gebäude in ein Spielzeugmuseum umzuwandeln.

Gesagt, getan. Nachdem man 1991 mit der Restaurierung begonnen hatte, folgte 1993 der Einzug der neuen Bewohner. Den Grundstock der Ausstellung bildete die Sammlung des Ehepaars Haeusser. Doch sind bis heute etliche weitere Spielzeuge - teils als Spenden -hinzugekommen. Im La Nef des Jouets finden Besucher Spielzeuge aus einem Zeitraum von rund 130 Jahren. Die meisten davon stammen aus Deutschland und Frankreich. Darunter befinden sich Puppen, Teddys, Spielzeugautos, Modelleisenbahnen, Puppenhäuser und vieles mehr. Angesichts der Vielfältigkeit von Spielzeugen ist nachvollziehbar, dass die Sammlung des Museums keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat. So fehlen etwa Brett- und Computerspiele völlig. Andererseits ist es aber höchst interessant zu sehen, womit Kinder in früheren Zeiten gespielt haben. Wenn man so manchem stummen Zeitzeugen in die Augen blickt, fragt man sich, was dieser wohl in den vergangenen Jahrzehnten alles gesehen hat.

Hannibals Überquerung der Alpen
Da Kinder naturgemäß nicht nur anschauen, sondern vor allem selbst aktiv werden möchten, bietet das La Nef des Jouets zwei Spiel- und Leseecken an. Zudem gibt es regelmäßig besondere Veranstaltungen. Am gestrigen Sonntag war dies ein mit Musik unterlegtes Puppentheater, das ganz ohne Worte Kinder jeden Alters zum Lachen brachte. Neben solchen Veranstaltungen finden immer wieder Sonderausstellungen statt. Momentan wartet eine Ausstellung mit dem Namen 1000 Playmobils dans l'histoire auf die Besucher. Hier gibt es mithilfe von Playmobil-Figuren nachgestellte historische Ereignisse zu sehen. Mit viel Liebe zum Detail wurden beispielsweise Hannibals Überquerung der Alpen oder aber die Kolonisierung Nordamerikas in Szene gesetzt. Die Sonderausstellung ist noch bis zum 15. Januar 2012 zu sehen.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Kembs/Cambete - Römische Spuren im Elsass

Anfang September war ich in der Provence und durfte beeindruckende römische Bauwerke wie das Theater von Orange, die Pont du Gard sowie das Amphitheater von Arles bestaunen. Dass es durchaus ebenfalls römische Spuren im Elsass - wenn auch in weitaus bescheidenerer Ausführung -  gibt, ist mir kürzlich bei einem Besuch in dem Örtchen Kembs (römisch: Cambete) bewusst geworden.


Das römische Cambete gehörte zur römischen Provinz Germania superior und wurde bereits im Itinerarium Antonini (antikes Verzeichnis der wichtigsten römischen Reichsstraßen) sowie in der Peutingerschen Tafel (kartografische Darstellung der römischen Straßen in spätrömischer Zeit) dargestellt. Cambete ist vermutlich ein Ort von Bedeutung gewesen. Zum einen lag es an der zentralen Straße zwischen Argentovaria (wahrscheinlich das heutige Oedenburg) und Augusta Raurica (östlich von Basel). Zum anderen führte in Cambete eine Brücke über den Rhein. 1950 fand man bei Arbeiten im Rheinseitenkanal große Teile dieser Brücke. Ein Stück hiervon ist heute in Kembs in der Nähe des Sportplatzes zu bewundern.