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Montag, 10. Oktober 2011

Spielzeugmuseum "La Nef des Jouets"

Über viele Jahre sind sie treue Lebensbegleiter. Sie sind Zeugen ausgelassenen Gelächters sowie dicker Tränen. Sie spenden Freude und Trost. Sie werden liebkost und wütend in die Ecke geschmissen. Und irgendwann landen sie in einer Kiste und geraten in Vergessenheit. Die Rede ist von Spielzeugen. Einige Vertreter dieser Zunft haben im Museum La Nef des Jouets einen Ort für den wohlverdienten Ruhestand gefunden.

Blick in die Vitrine
Das La Nef des Jouets befindet sich in Soultz-Haut-Rhin (zwischen Colmar und Mulhouse). Hier residieren die Spielzeuge nicht in irgendeinem gewöhnlichen Gebäude, sondern in einer ehemaligen Kommende des Malteser-Ordens. Das Gebäude aus dem Hochmittelalter hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. So hinterließen Bauernkrieg, Dreißigjähriger Krieg und die Französische Revolution hier ihre Spuren. Im Laufe der Zeit verfiel die Kommende zusehends - bis schließlich Joelle und Jean-Richard Haeusser mit der Idee an den Gemeinderat herantraten, das Gebäude in ein Spielzeugmuseum umzuwandeln.

Gesagt, getan. Nachdem man 1991 mit der Restaurierung begonnen hatte, folgte 1993 der Einzug der neuen Bewohner. Den Grundstock der Ausstellung bildete die Sammlung des Ehepaars Haeusser. Doch sind bis heute etliche weitere Spielzeuge - teils als Spenden -hinzugekommen. Im La Nef des Jouets finden Besucher Spielzeuge aus einem Zeitraum von rund 130 Jahren. Die meisten davon stammen aus Deutschland und Frankreich. Darunter befinden sich Puppen, Teddys, Spielzeugautos, Modelleisenbahnen, Puppenhäuser und vieles mehr. Angesichts der Vielfältigkeit von Spielzeugen ist nachvollziehbar, dass die Sammlung des Museums keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat. So fehlen etwa Brett- und Computerspiele völlig. Andererseits ist es aber höchst interessant zu sehen, womit Kinder in früheren Zeiten gespielt haben. Wenn man so manchem stummen Zeitzeugen in die Augen blickt, fragt man sich, was dieser wohl in den vergangenen Jahrzehnten alles gesehen hat.

Hannibals Überquerung der Alpen
Da Kinder naturgemäß nicht nur anschauen, sondern vor allem selbst aktiv werden möchten, bietet das La Nef des Jouets zwei Spiel- und Leseecken an. Zudem gibt es regelmäßig besondere Veranstaltungen. Am gestrigen Sonntag war dies ein mit Musik unterlegtes Puppentheater, das ganz ohne Worte Kinder jeden Alters zum Lachen brachte. Neben solchen Veranstaltungen finden immer wieder Sonderausstellungen statt. Momentan wartet eine Ausstellung mit dem Namen 1000 Playmobils dans l'histoire auf die Besucher. Hier gibt es mithilfe von Playmobil-Figuren nachgestellte historische Ereignisse zu sehen. Mit viel Liebe zum Detail wurden beispielsweise Hannibals Überquerung der Alpen oder aber die Kolonisierung Nordamerikas in Szene gesetzt. Die Sonderausstellung ist noch bis zum 15. Januar 2012 zu sehen.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Kembs/Cambete - Römische Spuren im Elsass

Anfang September war ich in der Provence und durfte beeindruckende römische Bauwerke wie das Theater von Orange, die Pont du Gard sowie das Amphitheater von Arles bestaunen. Dass es durchaus ebenfalls römische Spuren im Elsass - wenn auch in weitaus bescheidenerer Ausführung -  gibt, ist mir kürzlich bei einem Besuch in dem Örtchen Kembs (römisch: Cambete) bewusst geworden.


Das römische Cambete gehörte zur römischen Provinz Germania superior und wurde bereits im Itinerarium Antonini (antikes Verzeichnis der wichtigsten römischen Reichsstraßen) sowie in der Peutingerschen Tafel (kartografische Darstellung der römischen Straßen in spätrömischer Zeit) dargestellt. Cambete ist vermutlich ein Ort von Bedeutung gewesen. Zum einen lag es an der zentralen Straße zwischen Argentovaria (wahrscheinlich das heutige Oedenburg) und Augusta Raurica (östlich von Basel). Zum anderen führte in Cambete eine Brücke über den Rhein. 1950 fand man bei Arbeiten im Rheinseitenkanal große Teile dieser Brücke. Ein Stück hiervon ist heute in Kembs in der Nähe des Sportplatzes zu bewundern.

Montag, 26. September 2011

Marché Paysan / Bauernmarkt in Chalampé


Am gestrigen Sonntag war ich wieder mit meiner Familie in Chalampé - diesmal allerdings nicht bei einer Demonstration, dafür aber erneut bei einer grenzüberschreitenden Veranstaltung. In dem kleinen Grenzort wurde nämlich ein deutsch-französischer Bauernmarkt veranstaltet. Neben kleineren Animationen, Ausstellungen sowie Verköstigungen mit lokalen Produkten lag das Hauptaugenmerk auf den Verkaufsständen, an denen regionale Produkte von beiderseits des Rheins angeboten wurden.
Nach meiner Einschätzung war die Veranstaltung tatsächlich gemischt deutsch-französisch und wurde von Besuchern aus dem Elsass und Baden gleichermaßen genutzt. Überall hörte man sowohl Deutsch als auch Französisch. Ich finde solche Veranstaltungen besonders spannend, da sie einen großen Teil zu Begegnung, Austausch und grenzüberschreitender Verständigung beitragen.

Montag, 19. September 2011

Anti-Atomkraft-Demonstration auf der Rheinbrücke Chalampé/Neuenburg

In meinem letzten Post hatte ich vom elsässischen Kernkraftwerk Fessenheim und von geplanten Protesten berichtet. Gestern nun fand diese Demonstration statt. Zu diesem Zweck versammelten sich eine französische Protestgruppe in Chalampé (elsässisch: Schalampi, dt.: Eichwald) sowie eine deutsche in Neuenburg am Rhein. Beide Gruppen marschierten danach aufeinander zu und trafen sich schließlich auf der Rheinbrücke Chalampé/Neuenburg, wo sie sich die Hände reichten und gegennseitig begrüßten.

An der Demonstration nahmen mehrere hundert Menschen teil - ausschließlich Angehörige der bürgerlichen Mittelschicht. In Bezug auf das Alter war alles vertreten - vom Säugling, über das junge Paar, Familien bis hin zu Senioren. Auch die Medien waren vertreten. So interviewte u.a. ein Fernsehteam des Südwestdeutschen Rundfunks die Demonstranten.

Thematisch wurde eine Abschaltung des Kernkraftwerks Fessenheim und ein sofortiger Ausstieg aus der Atmoenergie gefordert. Als Gründe wurden u.a. Argumente ins Feld geführt, die ich schon in meinem letzten Post genannt hatte. Dabei ging man auch auf das Risiko der Atomtechnologie ein. Zudem referierten die deutschen und französischen Redner über die Verflechtungen der Atomlobby und der Politik in Deutschland und Frankreich. Ein französischer Redner betonte hierbei nochmals, dass Präsident Sarkozy vor nicht allzu langer Zeit ein Atomkraft an Libyens Ex-Diktator Gaddafi liefern wollte.

Bleibt noch anzumerken, dass die Demonstration rund zwei Stunden dauerte und absolut friedlich verlief.

Dienstag, 13. September 2011

Atomkraft im Elsass

Vor einem halben Jahr schreckte die Welt angesichts der Nuklearkatastrophe von Fukushima auf. In vielen Ländern befeuerte der Super-GAU die Debatte um die Atomkraft. So beschloss etwa Deutschland den Atomausstieg bis 2022. Auch die Schweizer wollen ihre Atomkraftwerke bis 2034 stilllegen. Anders verhält es sich in Frankreich. Hier steht die Regierung weiterhin zur Atomenergie. Doch auch in Frankreich mehren sich kritische Stimmen –sowohl aus der Bevölkerung als auch aus der Politik. Der jüngste Unfall in der Atomanlage Marcoule dürfte der hiesigen Debatte neuen Nährstoff geben.

Im Elsass kam es zuletzt am 26. Juni 2011 zu größeren Protesten gegen Atomkraft. Vor dem Kernkraftwerk Fessenheim bildeten an diesem Tag Demonstranten eine Menschenkette und forderten die Schließung des Kraftwerks. Das Kernkraftwerk Fessenheim (Jahrgang 1978) liegt jeweils 25 Kilometer von den Städten Colmar (F), Mulhouse (F) und Freiburg im Breisgau (D) entfernt. Basel (CH) liegt rund 50 Kilometer südlich, die deutsche Grenze ist nur einen Kilometer entfernt.

Abgesehen davon, dass es im Kernkraftwerk Fessenheim in den letzten Jahren schon häufiger zu Zwischenfällen gekommen ist, liegt das Kraftwerk in einem seismisch aktiven Gebiet. Im Jahr 1356 erschütterte das bisher stärkste historisch belegte Erdbeben Mitteleuropas, das Basler Beben, die Region.  Die Stärke des Bebens wird heute auf eine Stärke von 6,2 bis 6,9 auf der Richterskala geschätzt. Nach offiziellen Angaben soll das Kernkraftwerk Fessenheim einem Beben der Stärke 6,5 bis 6,7 standhalten können. Allerdings wird in diesem Szenario nicht der mögliche Dammbruch des Rheinseitenkanals berücksichtigt. Zudem beträgt die Dicke des Fundaments des Kraftwerks 1,5 Meter. Dies ist damit die dünnste Fundamentierung aller französischen Kernkraftwerke. Zum Vergleich: Die Fundamente der Kernkraftwerke von Fukushima wiesen eine Dicke von drei bis vier Metern auf.

Im Elsass sind erneut Proteste gegen das Kernkraftwerk Fessenheim geplant. Am 18.09.2011 will eine deutsch-französisch-schweizerische Bürgerinitiative nicht unweit des Kraftwerks eine Rheinbrücke besetzen, gegen das Kernkraftwerk Fessenheim demonstrieren und den sofortigen Atomausstieg fordern. Auf deutscher Seite wird die Demonstration unter anderem von den Grünen sowie der SPD organisiert und unterstützt.

Donnerstag, 18. August 2011

Tourismus im Elsass

Paris ist die wohlhabendste Region Frankreichs. Auf dem zweiten Platz folgt allerdings bereits das Elsass. Daran hat auch der Tourismus seinen Anteil. Kürzlich veröffentlichte das Comité Regional du Tourisme d'Alsace diesbezüglich interessante Zahlen zum Jahr 2009.

Demnach haben im Jahr 2009 11,5 Millionen Touristen das Elsass besucht. Die durchschnittliche Reise ins Elsass dauerte vier Tage. Wenig verwunderlich sind die meisten Touristen Franzosen. Sie machen 63% der Elsass-Urlauber aus. Bei der Gruppe der ausländischen Touristen kommen die meisten aus Deutschland, gefolgt von Belgien und Italien. Der wichtigste Touristen-Monat ist der Dezember mit seinen Weihnachtsmärkten und volkstümlichen Veranstaltungen. Zudem wird das Elsass insbesondere in den Monaten August und September häufig besucht.

Interessant ist auch ein Blick auf die beliebtesten Reiseziele. An den ersten beiden Stellen stehen eine Bootsfahrt in Strasbourg (elsässisch: Schdroosburi, dt. Straßburg) sowie das Chateau du Haut-Koenigsburg (dt: Hohkönigsburg). Auf den Plätzen drei und vier folgen der Zoo von Mulhouse und der Montagne des Singes (dt. Affenberg) in Kintzheim. Einen hohen Stellenwert haben darüber hinaus die technischen Museen (Cité du Train, Cité de l'Automobile etc.).

Erfreulich ist, dass 86% der Touristen mit ihrem Besuch im Elsass zufrieden waren. Insbesondere die Schönheit der Natur und der Dörfer wurde dabei hervorgehoben.