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Mittwoch, 5. März 2025

Château de Rougemont

Das Château de Rougemont (Rotenberg) liegt nicht im Elsass. Lag es aber einmal. Und zwar bis 1871 als nach dem Deutsch-Französischen das umliegende Gebiet als Teil des Territore de Belfort - im Gegensatz zum restlichen Elsass - in französischem Besitz verblieb.

Die Höhenburg wurde im 12. Jahrhundert von den Grafen von Pfirt (heute Ferrette) auf einem Plateau in den südlichen Vogesen erichtet, um den Eingang ins Sundgau zu überwachen. Diesen Zweck erfüllte sie rund 200 Jahre bis Truppen des Ritters Enguerrand de Coucy das Château de Rougemont im Jahr 1375 zerstörten und plündernd durch das Elsass zogen.

Danach lag die Burg jahrhundertelang im Dornröschenschlaf. 1977 begannen archäologische Arbeiten, bei denen man zahlreiche mittelalterliche Objekte entdeckte, die nun im Musée d'Histoire in Belfort zu sehen sind. 

Auf dem kleinen Plateau der Ruine kann man heutzutage die Grundmauern sowie die Reste des Donjons besichtigen. In der Nähe befinden sich mitten im Wald die Kapelle Sainte Catherine sowie die Ruine einer älteren Kapelle und die Ruine eines Eremitenhauses. In der Kapelle Saint Catherine liegt ein kleines Buch aus, in dem Besucher und Wanderer ein paar persönliche Zeilen hinterlassen können. Für eine Wanderung zur Burgruine und der Kapelle bietet sich als Startpunkt der Parkplatz neben der Kirche Saint Pierre im nahegelegenen Ort Rougement-le-Château an.

Dienstag, 18. Februar 2025

Salü bisamme - Der Elsass-Blog ist wieder da!

Es ist lange her, dass ich hier zum letzten Mal etwas geschrieben habe - sieben Jahre, um genau zu sein. In diesem Zeitraum ist viel passiert. Das einschneidendste war sicherlich die Covid-19-Pandemie. Damals kamen im Februar 2020 bei einer Veranstaltung  tausende Menschen in Mulhouse zu einer mehrtägigen Gebetsversammlung zusammen, kehrten in ihre Heimatorte zurück und verbreiteten schnell das zu diesem Zeitpunkt noch kaum bekannte Virus.

Mulhouse wurde zum Epizentrum der ersten Welle in Frankreich. Ich erinnere mich noch gut daran, dass plötzlich das Gerücht die Runde machte, die Regierung würde die Bevölkerung zu Hause einsperren. Wie viele andere Menschen auch versuchten wir deshalb im nahegelegenen Supermarkt noch einige Dinge einzukaufen. Die Bilder von damals werde ich nie vergessen. Ungläubige Blicke, teils auch Furcht in den Augen, einige Menschen, die sich notdürftig Schals vor den Mund halten, eine gespenstische Stille und zwei bewaffnete Polizisten, die im Supermarkt patroullieren. 

Tatsächlich verordnete Präsident Macron am nächsten Tag ein "confinement" (Lockdown) für ganz Frankreich. Zwei Monate lang waren wir zu Hause eingesperrt. Der Ausgang war nur für den Weg zur Arbeit, Arztbesuche und für Einkäufe - und das auch nur mit einer Art "Passierschein" - möglich. Zwei weitere "confinements" folgten - im November/Dezember 2020 und im April 2021.

Diese Zeit war für viele eine Zäsur - auch für mich. Doch schon vor der Pandemie hatte sich für mich eine neue Tür geöffnet. 2018 wurde eine Lektorin aus dem Düsseldorfer Droste Verlag auf den Blog aufmerksam und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, für ihre Reihe "Glücksorte" über das Elsass und über Straßburg zu schreiben. Natürlich! 

Dies ist der Grund, warum es hier so lange ruhig war. Neben meiner freiberuflichen Tätigkeit - unter anderem für regionale Magazine - habe ich in den letzten Jahren vier Bücher geschrieben: Glücksorte im Elsass, Glücksorte in Basel (zusammen mit Yael Debelle), Vogesen - Wandern für die Seele und Glücksorte in Straßburg. Alle Bücher sind im Droste Verlag erschienen.

Nun möchte ich den Elsass-Blog aber fortsetzen und hier wieder über das Elsass sowie seine Kultur und Geschichte schreiben. Es gibt noch sehr viel über diese tolle Region zu erzählen!



Dienstag, 27. Februar 2018

Cité du Train - Eisenbahnmuseum Mulhouse Revisited

Vor einigen Jahren habe ich bereits vom Eisenbahnmuseum in Mulhouse berichtet. Seitdem hat es mich immer mal wieder ins "Cité du Train" verschlagen - mit Familienmitgliedern und Freunden, die bei uns zu Besuch waren, oder mit meiner Frau und meinen Kindern.

So auch heute. Da bei uns aktuell Winterferien und die Aktivitäten angesichts der sibirischen Kälte außerhalb des Hauses recht übersichtlich sind, habe ich zusammen mit meiner Tochter eine Zeitreise durch die französische Eisenbahngeschichte unternommen.

Seit meinem damaligen Post hat sich nichts geändert. Die erste Halle mit ihren Lichteffekten, Geräuschen und Hörspielen ist atmosphärisch sehr gelungen. Für einen erstmaligen Besuch ist das Cité du Train eine tolle Sache.

Aber als "Dauergast" würde ich mir doch ein paar Neuerungen wünschen. Neue "Szenen", neue Hörspiele, neue Info-Tafeln (für Besucher aus der Schweiz und Deutschland auch gerne auf Deutsch). Zudem könnten die Bewohner der Züge und Waggons, optisch mäßig gelungene Puppen, in den verdienten Ruhestand gehen. Das alles gilt in noch stärkerem Umfang für die zweite, größere Ausstellungshalle. Dort fehlt es generell an der audiovisuellen Qualität und Atmosphäre der ersten Ausstellungshalle.

Apropos Atmosphäre. Die war beim heutigen Besuch eisig. Der Grund: In der zweiten Ausstellungshalle herrschen immer nahezu Außentemperaturen. Gefühlt war es heute in der Ausstellungshalle sogar kälter, da draußen am blauen Himmel wenigstens die Sonne schien. Die drei bis vier aufgestellten Heizstrahler sorgten nur für kurzzeitige Wärme. Immerhin: Zu Hause gab es einen leckeren, heißen Kakao.

 

Donnerstag, 15. Februar 2018

Canal d'Irrigation de la Hardt - Ein Relikt aus dem Deutschen Kaiserreich

Ich finde es immer wieder spannend, wenn ich auf meinen Exkursionen im Elsass auf "deutsche Überbleibsel" treffe. In diesem Fall wurde ich während eines Spaziergangs mit meinem Hund in der Nähe von Ottmarsheim fündig.

Dort steht ein Denkmal mit folgender Inschrift:

"Erbaut unter Oberleitung des Minsterialdirektors Fecht durch die Bauräte Hermann und Flaisch 1897 -1909. Gesamtwasserfläche 3000 ha, beteiligt 16 Gemeinden."


Die Inschrift bezieht sich auf den Canal d'Irrigation de la Hardt, einen Bewässerungskanal, der sich rund 30 Kilometer von Ottmarsheim bis nach Neuf-Brisach erstreckt.

Der Kanal entstand von 1897 bis 1909, einer Zeit also, in dem das Elsass als Reichsland Elsaß-Lothringen zum Deutschen Reich gehörte. Das "Hardt" im Namen bezieht sich auf den in unmittelbarer Nähe gelegenen Hardt-Wald.


Montag, 29. Mai 2017

Burg Wildenstein

Im Jahr 1312 ließ Peter von Bollwiller, Vasall der Herren von Pfirt (frz. Ferrette), die Burg Wildenstein errichten. Sie thront auf dem 666 Meter hohen Schlossberg und wacht über den - viele Jahrhunderte später entstandenen - Krüt-Wildensteiner Stausee (frz. Lac de Kruth-Wildenstein), der heute ein beliebtes Ausflugsziel ist (Baden, Kletterpark, Angeln, Bootfahren). Wobei "wachen" vielleicht etwas zu viel des Guten ist. Denn von der einst sicherlich imposanten Burg sind nur noch einige Ruinen übrig. Wie so viele andere elsässische Burgen wurde auch diese im Dreißigjährigen Krieg zerstört - in diesem Fall von schwedischen Soldaten.




Ein Besuch lohnt sich dennoch. So sind die Grundrisse - etwa die kleine Kapelle - noch deutlich erkennbar. Und die bebilderten Hinweistafeln (nur auf Französisch) erlauben eine gedankliche Zeitreise. Besonders interessant ist der Eingang. Wildenstein war die einzige Burg im Elsass, die nur mittels eines durch den Berg gebauten Tunnels betreten werden konnte. Auf dem oberen Plateau hat man schließlich eine herrliche Aussicht auf die umgebenden Vogesen, den Stausee und das südliche gelegene Dorf Kruth (dt. Krüt). Rund 1 bis 1,5 Stunden sollte man für die Wanderung und den Besuch einplanen.


Der beste Startpunkt ist der am See südöstlich gelegene Parkplatz. Zunächst geht es einige Schritte nach Norden und dann nach links auf eine asphaltierte Straße. Bei der ersten Möglichkeit biegt man links ab und betritt den bewaldeten Schlossberg. Der Weg zur Ruine beträgt etwas mehr als einen Kilometer, ist teilweise aber recht steil. Achtung: Burg Wildenstein ließ sich aufgrund der steilen Abhänge hervorragend verteidigen. Wer bei den Ruinen angekommen ist, der sollte sich der Südseite nur mit Vorsicht nähern, da es hier keinerlei Mauern oder sonstige Absperrungen gibt - lediglich einige Warnhinweise.


Freitag, 12. August 2016

Angelas Sheriffs oder Uniformierte Räuber auf Deutschlands Straßen

Es war einmal eine holde französische Maid, deren alltäglicher Arbeitsweg sie durch das Nachbarland mit dem wohlklingenden Namen Deutschland führte. Dort herrschte Angela I., Beiname "die Opportunistin", in jener Zeit.

Eines Tages stoppten zwei von Angelas Sheriffs die französische Maid auf ihrem Weg. Sogleich traten sie in einer Art und Weise auf wie es deutsche Sheriffs für gewöhnlich taten: arrogant und mit dem Wissen, immer im Recht zu sein.

Der Maid offenbarten die Ordnungshüter, dass sie gegenüber der vor ihr fahrenden Kutsche nicht genügend Abstand gewahrt hätte. Die Maid reagierte verblüfft: "Das kann nicht sein. Ich bin immer eine sehr defensive Droschken-Fahrerin. Ich kann mich nur an eine Situation erinnern, in der eine Kutsche die Spur wechselte und plötzlich vor mir war. Wurde ich vielleicht in diesem Moment zur vermeintlichen Gesetzesbrecherin?"

"Das entzieht sich unseres Wissens. Zwei Kollegen haben Sie mittels höchst moderner Technik überführt (Anmerkung des Erzählers: Die ganz beiläufig bemerkt sehr fehleranfällig war und zu vielen Fehlurteilen führte. Aber das gehört jetzt nicht zu unserer Geschichte.) und uns dies mitgeteilt", entgegneten die beiden Sheriffs.

Daraufhin hielten sie der Maid ein Schriftstück ins Gesicht und forderten 345 Euro - in bar oder mit Karte. Nun wurde der Maid langsam mulmig. Waren dies wirklich Angelas Sheriffs oder gar verkleidete Straßenräuber? "Belieben Sie zu scherzen?", fuhr es aus ihr heraus. Einer der beiden Ordnungshüter schaute seinen Kollegen an: "Sehe ich aus als würde ich Witze machen?" Dann drängten die beiden Sheriffs sie dazu, das Schriftstück zu unterzeichnen - ohne ihr vorher den Inhalt zu erläutern. Dort war unter anderem zu lesen, dass die Ordnungshüter ihr den Inhalt in ihrer Muttersprache erklärt  hätten.

Nach der Zahlung wünschten die Sheriffs keinen guten Tag und zogen von dannen. Die französische Maid indes setzte den Weg zu ihrer Arbeitsstelle fort, aufgewühlt von den Ereignissen. Leib und Leben blieben verschont, aber das Gefühl der Ohnmacht gegenüber zwei bewaffneten Schergen hielt noch länger an.

Später wurde gemunkelt, die Geldstrafe sei ein durch die Hintertür eingeführter Wegzoll anstelle der von Merkels Getreuen ersonnenen und schließlich gescheiterten "Ausländer-Maut". Oder war es gar ein bescheidender Obolus für die Folgen der Regierungspolitik von Angela I.? Dies wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.




Donnerstag, 26. Mai 2016

Hilfe, die Schweden kommen!

Die Vogesen sind mit zahlreichen Burgruinen übersät. Verantwortlich dafür sind vor allem französische und schwedische Soldaten. Letztere zogen im Dreißigjährigen Krieg plündernd durch den deutschsprachigen Raum, zu dem damals auch noch das Elsass gehörte.

Nun sind die Schweden wieder da. Allerdings in friedlicher Mission. Seit einigen Monaten gibt es in Mulhouse eine Filiale einer bekannten schwedischen Möbelhauskette. Als Fan von hochwertigen, langlebigen Möbeln musste ich natürlich einen Blick riskieren. Spannend ist ja bei solchen über die Grenzen hinweg agierenden Ketten oder auch Marken immer, dass sie überall identisch sind. Ob ich nun eine McDo-Filiale in Mulhouse oder Freiburg betrete, macht abgesehen von der Sprache keinen Unterschied. Ein paar lokale Besonderheiten gibt es aber dennoch jedes Mal zu entdecken.

Eine Kleinigkeit fällt mir sofort ins Auge. Bei Ikea ist es üblich, dass die Kunden geduzt werden. "Hier bekommst du deinen Einkaufswagen", "hier legst du die gelbe Tüte ab" usw. Das werden sie in Mulhouse auch. Die Schilder sind nämlich zweisprachig. In der französischen Variante werden die Kunden allerdings gesiezt. Ich habe ja bereits angedeutet, dass es in Frankreich und Deutschland Unterschiede im zwischenmenschlichen Bereich gibt.

Ansonsten verläuft das Shoppen dann genauso wie ich es von Besuchen in der Freiburger Filiale kenne. Sogar ein Hotdog, das Highlight eines jeden Einkaufs, wartet am Ende auf mich! Doch dann die Überraschung. Das Brötchen ist eine grau-braune, ungetoastete Pappe. Röstzwiebeln fehlen komplett. Und das braune Etwas entpuppt sich als geschmackloses Geflügel-Würstchen. 

Die nächste Überraschung folgt auf dem Weg nach draußen. Dort fängt mich ein Ikea-Mitarbeiter ab und sagt mir, dass ich mit dem Einkaufswagen nicht zu meinem Wagen dürfe. Ich müsse ihn in der Ladezone stehen lassen und mein Auto dort parken. Auf mein verdutztes "Warum?" erhalte ich zur Antwort, in der Vergangenheit seien zu viele Autos durch Einkaufswagen zerschrammt und beschädigt worden.
Mein Blick wandert über den riesigen Parkplatz. Es ist Dienstag, 20:40 Uhr. Außer meinem Vehikel sehe ich nur ein halbes Dutzend andere Autos. Mir geht zwar der Gedanke "Willst du mich verar...?" durch den Kopf. Stattdessen klemme ich mir aber meine Einkäufe unter den Arm und lasse den Ikea-Mitarbeiter mit dem Einkaufswagen zurück.

Es gibt sie also auch bei der schwedischen Möbelhauskette, diese feinen, lokalen Besonderheiten.

Kleiner Nachtrag: Mittlerweile darf man mit dem Einkaufswagen wieder bis zu seinem Auto. Vielleicht fanden die Leute es nicht so lustig, wenn sie in der Ladezone ankamen und der Einkaufswagen halb leer geräumt war.

Dienstag, 16. Februar 2016

Zwischen den Kulturen - Französische Höflichkeit vs. Deutsche Direktheit

"ACHTUNG!" schallt es durch den Gang im Supermarkt. Ich bin nicht überrascht, habe die Szene schon kommen sehen. Anders als das ältere französische Ehepaar, das sich mit großen Augen verdutzt umschaut und schnell den Einkaufswagen zur Seite schiebt. Daraufhin dampft ein deutsches Pärchen, Mitte/Ende 30, dem Äußeren nach gebildete Mittelschicht und "Tatort"-Aficionados, im Eiltempo vorbei. Während sie beruhigend auf ihn einredet, brabbelt er mit nun deutlich weniger viriler Stimme und einige Tonlagen höher "Das darf doch wohl nicht wahr sein..., ...stehen im Weg..., ...geht gar nicht..." vor sich hin.

Hier im Grenzgebiet treffen auf beiden Seiten des Rheins 
immer wieder Deutsche und Franzosen aufeinander - und damit auch unterschiedliche Mentalitäten. Ich habe schon mehr als einmal den deutschen oberlehrerhaften Ton gegenüber Besuchern aus Frankreich miterlebt. Aber natürlich habe ich die deutsche "Freundlichkeit" auch schon am eigenen Leib erfahren. Wenn man an der Kasse auf ein "Guten Morgen" von einer breithüftigen Dame ein "Los, weiter!" als Antwort erhält oder im Supermarkt der Leergutmeister vom Dienst mich sekundenlang blöd anschaut und schließlich - vermutlich ohne Kenntnis meiner fehlenden hellseherischen Fähigkeiten - losschnauzt: "Ich muss da durch." 

Das soll natürlich nicht bedeuten, dass in Frankreich alle Menschen höflich und in Deutschland alle unhöflich wären. Mein subjektiver Eindruck ist dennoch: Es gibt Unterschiede. In Frankreich wird sehr viel Wert auf Höflichkeit gelegt. Das merkt man sowohl in Umgangsformen als auch in der Kommunikation. "Pardon", "Excusez moi" und "A votre service" werden geradezu inflationär benutzt. Beispielsweise hatte ich meine Tochter zur Schule gebracht. Auf dem Rückweg musste ich einen Schritt nach links machen, um zwei Damen zu umrunden. Sie bemerkten das und entschuldigten sich sofort mit einem "Pardon, Monsieur". Das ist beileibe kein Einzelfall.

Generell sind Höflichkeit und Respekt gegenüber dem Mitmenschen natürlich eine feine Sache. Mir ist es aber manchmal ein wenig zu viel des Guten. Denn diese Höflichkeit ist eine Rüstung, die hier im Alltag geradlinige Kommunikation erschwert. Sachliche Kritik und direkte Kommunikation werden oftmals sofort als Affront gegenüber der eigenen Person verstanden. Wenn einmal Probleme auftauchen, weil die Versicherung, der Telefonanbieter etc. mal wieder Mist gebaut haben und man diese benennt, dann bröckelt die Fassade der Höflichkeit in Sekundenschnelle ab. Erst neulich habe ich nach meiner ausführlichen Kritik von meinem französischen Gesprächspartner erfahren, dass er so etwas noch nie erlebt habe. Das glaube ich ihm sofort.


Was ist nun also der bessere Weg? Keine Ahnung! Manchmal weiß ich sowohl die französische Höflichkeit als auch die deutsche Direktheit zu schätzen, manchmal geht mir beides auf den Sack. Ganz sicher weiß ich jedoch: Man stellt im Supermarkt keine älteren Menschen ins Achtung.

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Gedenkstätte "Combats de la Hardt"

"Pour Hitler, nous sommes ici en Allemagne" - "Für Hitler sind wir hier in Deutschland" steht auf einer Erinnungstafel zum "Combats de la Hardt" (Hardt-Schlacht) zwischen Rixheim und Ottmarsheim. 2011 wurde diese kleine Gedenkstätte mit viel patriotischem Tamtam eingeweiht, ist also relativ neu. Angesichts der deutsch-französischen Freundschaft und des gemeinsamen Europa-Projekts mag das etwas anachronistisch wirken.



Allerdings wird man in Frankreich nicht müde zu betonen, dass das Elsass hundertprozentig französisch sei. Überall im Elsass sind solche Gedenktafeln, auch zum Ersten Weltkrieg, zu finden. Wenn allerdings Namen wie "Grünhütte" oder "Rixheim" auftauchen, dann wirkt es schon seltsam, so als ob es keine jahrhundertelange elsässische Geschichte als Teil des Heiligen Römischen Reiches und des deutschsprachigen Kulturraums gegeben hätte.


Und warum wurde erst 2011 eine Gedenkstätte eingerichtet? Ein Blick auf die Hintergründe wirkt erhellend. Vom 28. November bis zum 4. Dezember 1944 standen sich französische und marokkanische Truppen auf der einen sowie deutsche Truppen auf der anderen Seiten gegenüber. Die Gedenkstätte ist vor allem ein innenpolitisches Signal.






Montag, 27. April 2015

Les Trois Chateaux - Die Drei Exen

Auf einem Bergrücken nahe des Dorfes Husseren-les-Châteaux (dt. Häusern) liegen die sogenannten Drei Exen (frz. Les Trois Châteaux). Bei den drei zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert erbauten Burgen handelt es sich um die Wahlenburg, Burg Weckmund und die Dagsburg. Hier wurde im Jahr 1002 der elsässische Papst Leo IX. geboren.

Im 15. Jahrhundert war die Burganlage im Besitz von Ritter Peter von Egisheim. Der traf eine schwerwiegende Entscheidung als er dem Müller Hermann Klee Asyl gewährte. Klee lag mit der Stadt Mülhausen (frz. Mulhouse) wegen einer Geldforderung im Streit. Auf die Gewährung des Asyls folgte der "Sechs-Denare-Krieg" . Denn genau darum ging es bei dem Konflikt: um sechs Basler Denare.

Die Stadt Mülhausen mobilisierte ihre Truppen. Am Fronleichnamstag 1466 erfolgte die Eroberung und Zerstörung der Burganlage. Ritter Peter konnte fliehen. Hermann Klee und einige seiner Getreuen wurden gefangengenommen und hingerichtet.

In den heutigen Ruinen sind unter anderem noch Reste des Burgfrieds, der Wohnbereiche und der Stallanlagen zu sehen.Wer die Drei Exen besichtigen möchte, der wählt als Ziel das Dorf  Husseren-les-Châteaux. Dort weisen Schilder sehr übersichtlich den restlichen Weg. In unmittelbarer Nähe liegt Eguisheim (dt. Egisheim), das ebenfalls einen Besuch wert ist.

Dienstag, 31. März 2015

Departementswahlen 2015

Alle Jahre wieder stellen die Bürger den Volksvertretern einen Blankoscheck aus. Damit hat sich ihre demokratische Teilhabe weitgehend erschöpft. Politische Sachentscheidungen treffen in der repräsentativen Demokratie andere. Natürlich ist das Volk nicht mit allen Entscheidungen einverstanden - und so staut sich Unzufriedenheit auf, die sich schließlich bei den nächsten Wahlen entlädt.

Wie am vergangenen Wochenende in Frankreich, wo die sozialistische Regierung von Francois Hollande bei den Departementswahlen abgestraft worden ist. In ganz Frankreich gab es einen Ruck nach rechts. Im Elsass sieht das nicht anders aus. Hier konnten die Sozialisten nur in Wittenheim (nördlich von Mulhouse/Mülhausen) und in einigen Teilen Straßburgs gewinnen. Alle anderen Kantone gingen an die UMP oder konservative Bündnisse. Erfreulich: Der FN konnte keinen Kanton gewinnen. Weniger erfreulich: In mehreren Kantonen war der FN zweitstärkste Kraft.

Montag, 2. März 2015

Sprache lernen - Setzt die Kinder vor die Glotze!

Vor einigen Jahren hatte ich über den bilingualen Schulunterricht im Elsass geschrieben. Das Interesse an zweisprachigen Klassen ist nach wie vor groß und sogar gewachsen. Als beispielsweise meine Tochter vor zwei Jahren in die Ecole Maternelle (Kindergarten) kam, wurden erstmals in unserer Gemeinde zwei bilinguale Klassen für einen Jahrgang eröffnet.

Seit Jahren gibt es allerdings auch eine andere Tendenz. Nach der Ecole Elementaire (Grundschule) nimmt die Zahl der zweisprachigen Schüler sehr stark ab. Nur wenige besuchen weiterhin eine zweisprachige Klasse. Einige machen mit Deutsch als Fremdsprache weiter, andere hingegen hören komplett auf. Die Folge: Das Angebot an zweisprachigem Unterricht ist an den höheren Schulen (College und Lycee) erheblich geringer.

Aber warum brechen so viele Kinder die bilinguale Schulausbildung ab? Die Antwort: Sehr viele Kinder verfügen beim Eintritt in das College nur über mittelmäßige Deutsch-Kenntnisse. Die Eltern haben schlichtweg Angst, dass ihre Sprösslinge den Anforderungen nicht gewachsen sind.

Nach meinen Erfahrungen muss ich sagen: Da haben sie recht. Mein Sohn ist 9 Jahre. Er und seine Klassenkameraden haben seit der Ecole Maternelle zweisprachigen Unterricht - also seit rund fünf bis sechs Jahren. Wenn mein Sohn Freunde mit nach Hause bringt und ich mich in einfachstem Deutsch mit ihnen unterhalte, dann verstehen sie fast kein Wort. Bei Schulaufführungen verstehe ich wiederum kaum ein Wort, wenn die Darsteller in gebrochenem Deutsch mit starkem französischem Akzent sprechen. Allerdings muss man auch festhalten, dass es zwischen Jungen und Mädchen einen enormen Leistungsunterschied gibt.

Was ist das Problem? Es reicht einfach nicht, wenn die Kinder ein paar Sätze auf Deutsch im Unterricht sprechen und ansonsten alles um sie herum auf Französisch abläuft - sowohl auf dem Pausenhof als auch zu Hause. Zu oft sind ausgerechnet Deutschstunden ausgefallen - ohne entsprechende Vertretung. Die Klassen sind mit 25 bis 30 Kindern zu groß. Zu oft sind die Lehrer beschäftigt, Ordnung und Ruhe in die Klassen zu bringen und fallen dabei immer wieder ins Französische zurück.

Daher mein bescheidener Ratschlag: Setzt die Kinder vor die Glotze! Meine Kinder hören fast ausschließlich Französisch. Ich bin der einzige Muttersprachler, mit dem sie regelmäßig Deutsch sprechen. Keine Frage, sie haben ihre Schwächen und machen auf Deutsch einige Fehler, die viele Gleichaltrige in Deutschland nicht machen würden. Aber: Insgesamt sprechen sie Deutsch wie ein Muttersprachler. Das kommt ganz sicher nicht durch die Schule und auch nicht allein durch ihren Vater - wenngleich mir bewusst ist, dass ich einen nicht geringen Anteil habe.

Nein, ein Teil an dieser Ehre gebührt KiKa und Co.. Ja genau, das pöse pöse teuflische Fernsehen. Dank KiKa und Co. haben sie sich ein buntes Repertoire an Kindersprache, Redewendungen und Vokabeln angegeignet, das sie weder von der Schule noch von mir haben. Klar, natürlich sollte man seine Kinder nicht stundenlang vor dem Fernseher parken und auf ein kindergerechtes Programm achten. Aber wenn sie schon vor der Glotze sitzen, dann ist es nicht schlecht, wenn es einen Lerneffekt gibt. Meine Erfahrung der vergangenen Jahre ist daher: Fernsehen hilft beim Sprachenlernen.



Dienstag, 17. Februar 2015

Das Grundbuch - Reste deutschen Rechts im Elsass

Kürzlich habe ich im Gespräch mit einem Notar erfahren, dass es im Elsass (und im Département Moselle) genau wie in Deutschland ein Grundbuch (livre foncier) gibt. Im restlichen Frankreich kennt man dies nicht.

Der Ursprung des hiesigen Grundbuchs geht auf das Jahr 1891 zurück als das Elsass ein Teil des Deutschen Reichs war. Auch nach dem Wechsel zu Frankreich blieb das Grundbuch bestehen, wurde aber 1924 mit einem Gesetz französischem Recht angepasst.

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Trauerflor im Elsass wegen Gebietsreform

Wer momentan im Elsass unterwegs ist, dem dürfte der schwarze Trauerflor an Straßenschildern elsässischer Ortschaften auffallen. Der Hintergrund ist, dass Paris eine Gebietsreform plant. Der finanziell klamme französische Staat will Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne zu einer Region fusionieren, um Geld zu sparen. Für viele Elsässer kommt dies einem Todesstoss für ihre Region gleich - daher der Trauerflor.

Im Elsass ist der Protest groß. Neben besagtem Trauerflor sieht man viele Autos mit dem Aufkleber "Touche pas à mon Alsace" ("Rühr mein Elsass nicht an."). In Colmar wurde der Miniausgabe der Freiheitsstatue ein rot-weisser Schal umgehängt. Eine Demonstration reiht sich an die nächste. Ob es zur Gebietsreform kommt, entscheiden aber nicht die Elsässer, sondern Paris. Vielleicht wäre es anders gelaufen, wenn die Elsässer im vergangenen Jahr mit "Ja" zum Elsässischen Landrat gestimmt hätten.


Dienstag, 26. August 2014

Parc du Petit Prince bei Ungersheim

Knapp zwei Jahre nach der Schließung des Bioscope hat auf demselben Gelände am 1. Juli 2014 der Parc du Petit Prince seine Tore geöffnet. Wie der Name schon erahnen lässt widmet er sich thematisch dem Kleinen Prinzen, dem berühmten Märchen des französischen Autors und Piloten Antoine Saint-Exupéry.

Die kreisförmige Anlage mit ihren Wasserkanälen wurde beibehalten. Ebenso wurden fast alle Gebäude übernommen. Die meisten Attraktionen sind hingegen neu. Natürlich stehen sie ganz im Zeichen des Kleinen Prinzen. Höhepunkt ist sicherlich ein Ballonaufstieg, der  einen tollen Blick auf die Vogesen und die Rheinebene bietet.

Scheinbar hat man aus den Fehlern des Bioscope gelernt. Sämtliche Beschriftungen und Beschreibungen sind nun auf Deutsch, Englisch und Französisch, so dass auch Besucher aus Deutschland und Schweiz sich zurechtfinden. Außerdem gibt es an jeder Attraktion freundliches und zuvorkommendes Parkpersonal.
Mit seiner Liebe zum Detail und seinen gelungenen Atmosphäre schafft es der Park, die gewünschte Zielgruppe (Familie mit jüngeren Kindern) anzusprechen. Gute Voraussetzungen also, damit dem Parc au Petit Prince ein längeres Leben als dem Bioscope beschieden ist.


Samstag, 19. Juli 2014

Ausnahmen bei Ausländer-Maut - eine bayerische Realsatire

Kürzlich habe ich den Film Und Äktschn! des bayerischen Kabarett-Urgesteins Gerhard Polt rezensiert. Darin spielt er einen leidlich begabten Amateurfilmer, der zusammen mit einer untalentierten Ansammlung von Laien einen Film über den Privatmenschen Adolf Hitler drehen will. Der Zuschauer bekommt genau das, was man von Polt aus seinen früheren Filmen kennt. Eine Realsatire par excellence.

Eine bayerische Realsatire der anderen Art liefert momentan die CSU ab. Seit dem Bundestagswahlkampf 2013 fordert sie vehement eine PKW-Maut für Ausländer. Bekanntlich sind die Planungen zu dieser euphemistisch Infrastrukturabgabe genannten Gebühr mittlerweile auf der Zielgeraden. Da kommt plötzlich aus Bayern die Initiative, Ausnahmen zuzulassen.

Landkreise entlang der Grenzen sollten ausgenommen werden, da man Nachteile für die lokale Wirtschaft befürchte. Wahnsinn, was für eine Erkenntnis! Aber dann steht doch die Frage im Raum, für wen man den administrativen Aufwand noch betreibt. Nach Deutschland verirren sich ja nun nicht allzu viele europäische Urlauber. Und für die paar Niederländer, die ihren Wohnwagen nach Süden schleppen, dürfte sich der Aufwand wohl kaum lohnen.


Montag, 30. Juni 2014

Chateau de Hohlandsbourg erstrahlt in neuem Glanz

Fast drei Jahre war die Hohlandsburg aufgrund von Umbauarbeiten nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Die lange Wartezeit hat sich aber gelohnt. Zu den Neuerungen gehören beispielsweise eine Freilichtbühne sowie der umgebaute und erweiterte Gastronomiebereich. Besonders interessant finde ich die moderne, interaktive Dauerausstellung, in welcher der Besucher Wissenswertes über Burg und Region erfährt. Eine temporäre Sonderausstellung informiert zudem über die umfangreichen Arbeiten.


Während unseres Besuchs standen mittelalterliche Musik, Tänze und Spiele auf dem Programm. Vor allem im Sommer gibt es zahlreiche solcher Sonderveranstaltungen. Wer wissen möchte, was aktuell geboten wird, schaut am besten einfach auf der Website vorbei. Besonders lohnenswert ist übrigens auch ein Rundgang auf der Burgmauer, von der man einen großartigen Ausblick auf die Rheinebene, den Schwarzwald, die Vogesen und einige Burgruinen (u.a. die Pflixburg) hat.

Montag, 26. Mai 2014

Angst und Frust - Sieg der französischen Rechtsextremen bei der Europawahl

Geschichte wiederholt sich nicht. Historische Vorgänge sind viel zu komplex, als dass sie  noch einmal identisch ablaufen würden. Wohl aber können sich bestimmte Muster wiederholen. In Zeiten von Krisen etwa brauchen Menschen oftmals einen Sündenbock. Immer wieder gerne werden Minderheiten genommen. In Deutschland beispielsweise warf man während der Pestepidemien im Mittelalter den Juden die Brunnenvergiftung vor, während der Kleinen Eiszeit kam es zu umfangreichen Hexenverfolgungen und in der NS-Zeit machte man wiederum die Juden verantwortlich.

In Europa sieht man dieses Muster aktuell erneut. Im Angesicht der Globalisierung und der Krise in Europa machen sich Verunsicherung, Angst und Frust breit. Überall sind nationalistische Tendenzen auszumachen. Die einfachen Antworten auf komplexe Fragen bieten wieder einmal die Rechtsextremen. 26 Prozent der Stimmen konnte die Front National bei der gestrigen Europawahl gewinnen. Damit war sie die stärkste politische Kraft in Frankreich.

Einwanderung, sozialer Abstieg, Kriminalität, Arbeitslosigkeit: auch in Frankreich gibt es zahlreiche Ängste, die von der Front National geschickt bedient werden. Ein weiterer Grund für den Aufschwung der Rechtsextremen ist die desolate Regierung Hollande. Angetreten war Hollande mit einem Wahlkampf im Stil von Obama. Den großen Worten folgten aber keinerlei Taten. Die Frustration darüber ist entsprechend groß. Zudem liebt man es in Frankreich genauso wie in Deutschland über die Europäische Union und "Brüssel" verbal herzuziehen und die Verantwortung für alle Missstände (Stichwort Sündenbock) in die Schuhe zu schieben.

Keine Frage, es ist in den vergangenen Jahren in Europa einiges schief gelaufen. Es mangelt bisher an demokratischer Legitimation und Transparenz. Daran haben allerdings die Nationalstaaten einen großen Anteil. Partikularinteressen vertreten, so viel wie möglich vom Kuchen abstauben und nachher die EU verantwortlich machen, das ist das grundsätzliche Problem. Auch mangelt es an einer gemeinsamen Identität. Ein weiterer Punkt, wo die Politiker geschlafen haben.

Die europäische Idee ist in ihrem Kern eine großartige. Noch nie ging es in Europa so vielen Menschen so gut. Wer das nicht glaubt, der sollte einmal ein paar Geschichtsbücher aufschlagen. Den heutigen Wohlstand und Frieden haben wir in einem nicht geringen Maße der europäischen Einigung zu verdanken. Zudem: Ein Zurück gibt es nicht. Die Globalisierung ist unumkehrbar. Wer nicht mitmachen will, der ist raus dem Spiel. Das ist ebenfalls eine Lehre der Geschichte.

Dienstag, 6. Mai 2014

Burg Landskron

Die Burg Landskron hatte in ihrer langen Geschichte zahlreiche Bewohner. Ritter, liebeskranke Adlige und Affen waren nur einige davon. Die Ruine der Höhenburg thront auf dem Landskronberg im französisch-schweizerischen Grenzgebiet. Erstmalige urkundliche Erwähnung fand die Burg im Jahr 1297. Damalige Herren waren die Münch von Basel. Nach dem Aussterben der Münch wechselte Landskron 1461 in den Besitz der Reich von Reichenstein, 1504 an die Markgrafen von Baden.

Angesichts der fortschreitenden Technologie, Schießpulver und Kanonen unterzogen die Burgherren in der Folgezeit Landskron mehrerer Umbauarbeiten und Verstärkungen. Dennoch ging die Burg 1637 im Dreißigjährigen Krieg kampflos an die Schweden über. Diese gaben sie an die Franzosen weiter. Der Westfälischen Frieden sprach die Festung zwar dem Markgrafen zu. Frankreich verweigerte jedoch die Rückgabe und machte die Landskron zu einer Garnison und einem Staatsgefängnis für überwiegend politisch Gefangene.

Der bekannteste von ihnen war der in New Orleans geborene Bernard Duvergez, der 1769 wegen "ungebührlichen Verhaltens" inhaftiert wurde. Tatsächlich hatte er eine Liebesbeziehung mit einer Dame am Hof. Als während der Französischen Revolution alle Gefängnisse nach politischen Gefangenen durchsucht wurden, fand man auch Duvergez. Dieser war nach 21 Jahren Kerkerhaft jedoch körperlich und geistig stark angegriffen und verstarb kurze Zeit später. Der Legende nach hatte er zuvor noch einmal besagte Dame in die Arme schließen können. Angeblich hatte sie in all den Jahren niemals aufgehört nach ihm zu suchen.

Im Zuge der Befreiungskriege nahmen im Jahr 1813 Truppen aus Bayern und Österreich die Landskron ein. Anschließend plünderte die Bevölkerung die Burg. Nach einem Feuer und der Sprengung durch bayerische und österreichische Soldaten wurde Landskron zerstört und danach als Steinbruch genutzt. 1970 zogen neue Bewohner ein. Zehn Jahre lang besiedelten Berberaffen die Ruine.

1984 erwarb dann der Verein Pro Landskron die Burg und widmet sich seitdem der Instandhaltung. In zwei großen Renovationsetappen wurden 1988-89 und 1998-99 weite Teile der Anlage konsolidiert. Für die Zukunft ist eine weitere Renovationsetappe geplant. Vor allem soll eine Infrastruktur geschaffen werden, um die Landskron für grenzüberschreitenden Aktivitäten nutzbar zu machen.

Wer die Burgruine besichtigen möchte, parkt sein Fahrzeug am besten am Bahnhof in Leymen. Von dort aus folgt man einfach den Schildern. In der noch immer eindrucksvollen Ruine warten mehrsprachige Info-Tafeln (Deutsch, Englisch, Französisch) auf den interessierten Besucher.

Montag, 5. Mai 2014

Burg Mörsberg / Morimont

Die Ruine der Burg Mörsberg (frz. Morimont) liegt auf einem 532 Meter hohen Felsvorsprung im französisch-schweizerischen Grenzgebiet, 40 Kilometer südwestlich von Mülhausen (frz. Mulhouse) und 45 Kilometer westlich von Basel. Die Entstehungszeit der Burg wird in das 12. Jahrhundert datiert. Aus einer urkundlichen Erwähnung geht hervor, dass die Herren von Mörsberg Vasallen der Grafen von Pfirt (frz. Ferrette) waren.

Im Laufe ihrer Geschichte wechselte die Burg mehrmals den Besitzer. Unter anderem durften sich die Habsburger Herren von Mörsberg nennen. Beim großen Erdbeben von 1356 erlitt die Burg wie viele andere Gebäude der Region schwere Beschädigungen. Ab dem 15. Jahrhundert kam es zu großangelegten Erneuerungen und Umbauarbeiten als sich Kanonen zunehmend in der Kriegsführung durchsetzten. Mächtige Rondelle sollten den Schutz der Burg verbessern.

Dennoch war Mörsbergs Schicksal mit dem Aufkommen des Schießpulvers besiegelt. Im Jahr 1637 zerstörten französische Truppen die Burg. In der Folgezeit wurde die Burg zunehmend dem Verfall preisgegeben und als Steinbruch genutzt. 1826 trat Mörsberg noch einmal ins Rampenlicht als schweizerische Jura-Patrioten hier den Schwur leisteten, das Jura von der Vorherrschaft Berns zu befreien. Mehr als 150 Jahre später hatte ihre Bestreben mit der Gründung des Schweizer Kantons Jura schließlich Erfolg.

Seit 1901 kümmern sich die "Freunde von Morimont" um die Instandhaltung der Burgruine. Obwohl der Zahn der Zeit an der Burg genagt hat, sind die Strukturen immer noch klar erkennbar. Bemerkenswert ist Mörsberg aufgrund des Baumaterials. Die Burg ist im Elsass die einzige aus Kalkstein. Erwähnenswert ist auch das gut erhaltene Kellergewölbe, das sich unter den ehemaligen Wohnanlagen befindet. Vor Ort informieren Info-Tafeln auf Deutsch und Französisch über die einzelnen Burgabschnitte.


Wer die Burg besichtigen möchte, fährt zunächst zum Dörfchen Oberlarg. Von dort nimmt man die D41 Richtung Levoncourt. Nach rund einem Kilometer befindet sich auf der linken Seite ein Weg, der zu einer Herberge führt. Kostenlose Parkplätze stehen zur Verfügung. Nach einem zehnminütigen Spaziergang durch den Wald (einfach den Schildern folgen) erreicht man schließlich die Burgruine.